Wohnen
12.02.2018

Die vier Phasen des Wohnlebens

Die vier Phasen des Wohnlebens

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Etwas Luxus Mit dem ersten Job kommt das erste Gehalt und meist auch der Wunsch nach einer größeren Wohnung. „Ich konnte und wollte mir etwas mehr leisten“, erzählt Mio Paternos . Mit seinem Umzug hat er seinen Wohnraum von 27 auf 55 verdoppelt. „Dafür habe ich mir ein Budget von 700 Euro im Monat eingeräumt. Das war mein absolutes Maximum. Als Single ist das sehr viel Geld“, so der Modejournalist. Mit dem Wunsch nach etwas mehr Luxus ist der 30-jährige nicht allein. David Breitwieser, Immobilienmakler und Leiter des Wohnungsvertriebs bei EHL weiß: „Zwischen 25 und 35 Jahren wünschen sich die meisten Menschen eine größere Wohnung mit einem zusätzlichen Zimmer oder einer Terrasse.“ Die Studienzeit ist vorbei und jedes Monat mehr Geld auf dem Konto. Diesen neuen Lebensabschnitt feiern viele mit mehr Bewegungsfreiheit in den eigenen vier Wänden.

Studentenwohnheim Dem 21-jährigen Student Jakob Tschernutter geht es wie den meisten in seinem Alter: Er will ein paar Quadratmeter Privatsphäre, aber auch viel Platz für Freunde um sich herum. Daher wohnt er seit drei Jahren im Studentenwohnheim im 6. Wiener Gemeindebezirk und kann sich keine bessere Wohnsituation vorstellen. Daher weiß er auch nicht, ob er das Angebot seines Cousins annehmen soll: Eine Wohnung für ihn allein, in der er nur die Betriebskosten bezahlen müsste. Für sein Einzelzimmer mit eigenem Bad bezahlt er seit Herbst rund 100 Euro mehr, als zuvor für das Doppelzimmer. Im Preis inbegriffen ist auch das Reinigungspersonal. „Die Küche wird jeden Tag geputzt, worüber ich sehr froh bin“, erzählt Jakob. Einmal pro Woche werden auch Badezimmer und Böden in den Zimmern gereinigt.

Gemeinsam Wohnen im Alter Über zehn Jahre beschäftigt sich Freya Brandl bereits mit den Themen Wohnen im Alter. Die Architektin und Stadtplanerin hat verschiedene Projekte in ganz Europa besichtigt und auch Häuser bewohnt, in denen ältere Menschen zwar in ihren eigenen Wohnungen, aber trotzdem in Gemeinschaft leben. „Das wollte ich auch in Österreich umsetzen“, erzählt die Architektin. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, organisierte sie Ausstellungen, Workshops und Infoveranstaltungen. Sie verfasste sogar eine Dissertation zu dieser Thematik. 2013 gründete sie mit Peter Bleier den Verein Kolokation. Seither sind die beiden auf der Suche nach einem Stockwerk oder einem ganzen Haus, um ihre Projekte umsetzen zu können. Die Mühe hat sich gelohnt. Denn nächstes Jahr im Dezember ziehen rund 15 Ältere vom Verein Kolokation in den zweiten Stock eines geförderten Wohnhauses. Jeder Bewohner hat einen eigenen Balkon und im dritten Stock bietet eine große Terrasse viel Platz für gemeinsame Stunden. Trotz all der Vorteile, blickt Brandl dem Umzug und vor allem dem Auszug aus ihrem Haus auch mit einem weinenden Auge entgegen. „Der Gedanke an den Umzug ist furchtbar. Ganz, ganz schrecklich, aber das gehört eben auch dazu“, erzählt Freya Brandl. Momentan wohnt sie in einem Reihenhaus mit Garten am Stadtrand von Wien. Den Garten werde sie bestimmt vermissen, gleichzeitig werde sie die Stadt aber fit halten. „Der letzte Abschnitt meines Lebens hat jetzt begonnen und da kann und will ich noch etwas verändern, sonst lebt man ja nur so vor sich hin“, sagt die Architektin. Wo sie ihre ganzen Bücher unterbringen soll, wisse sie aber trotzdem noch nicht, erzählt Brandl amüsiert über sich selbst.