Coop Himmelb(l)au baute Kinozentrum in Südkorea

Der Gebäudekomplex in Busan wurde früher fertig als erwartet und in den nächsten Tagen eröffnet. Auch die EZB-Zentrale in Frankfurt/Main ist im Plan.

Kein Zweifel, Wolf D. Prix, CEO und Design-Chef des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au ist ein Global Player der Architektur. "Ich vergleiche uns immer mit den gotischen Dombaumeistern", lacht Prix im Interview mit der Austrian Presse Agentur, "Die sind auch ständig herumgereist. Es hat sich nicht viel geändert. Nur die Reise - und die Baugeschwindigkeit hat sich rapid gesteigert." Vom Bautempo, das in Asien an den Tag gelegt wurde, war selbst ein Bau-Profi wie Prix überrascht. Mit der Fertigstellung des Busan Cinema Centers, eines 58.000-Quadratmeter umfassenden Kinozentrums mit Kinosälen, einem multifunktionalen Theater mit 1.000 Sitzen, Restaurants, Cafes sowie Veranstaltungs-, Büro- und Verwaltungsräumen, wurde für 2012 gerechnet. "Man hat den Bau aber mit riesiger Schnelligkeit fertiggestellt." Bereits am 29. September 2011 haben die Eröffnungsfeierlichkeiten des 100-Millionen-Euro-Baus, bei denen dem Architekten auch die Ehrenbürgerschaft von Busan verliehen wird, begonnen, ab 6. Oktober gab es mit dem Busan International Film Festival den ersten harten Praxis-Test. Ein riesiges, mit LED-Technologie bespielbares Dach mit einer Fläche von 65 mal 160 Metern stellt die "längste freitragende Auskragung der Welt" dar. Ihrem 1968 proklamierten Ideal der wie eine Wolke über dem Boden schwebenden Architektur kommen Coop Himmelb(l)au damit wieder ein Stück näher. "Man hätte so eine Konstruktion zwar schon vor 40 Jahren rechnen können - der Rechenvorgang hätte allerdings vermutlich zwei Jahre gedauert", meint Prix und verweist auch auf die Fortschritte der Bautechnologie. Die Herausforderung der Natur erfordert allerdings in Südkorea besondere Vorkehrungen: "Wenn einer der immer wieder über das Land ziehenden Orkane eine Windgeschwindigkeit über 230 Stundenkilometer erreichen sollte, werden zwei hydraulische Stützen ausgefahren." Südkorea entwickle sich hoch dynamisch, schildert Prix, allerdings kämen noch gelegentlich autoritäre Züge der Gesellschaft zum Vorschein - was der raschen und straffen Bauabwicklung allerdings nicht schadet. Auch im chinesischen Dalian befindet sich ein Bau von Coop Himmelb(l)au in der Fertigstellung - ein riesiges Kongresszentrum mit ausgeklügeltem Energie- und Klimakonzept (im Bild), für das bereits der "Wallpaper Design Award 2011" eingeheimst wurde. Im Frühjahr soll eröffnet werden - "aber niemand kann garantieren, dass es nicht früher fertig wird", lacht Prix. Mit diesen beiden Großbauten begibt sich das Wiener Architekturbüro in eine neue Dimension: "Großes Land, viele Leute, großes Gebäude" bringt es Prix auf einen Punkt. Das Kinocenter in Busan ist doppelt so groß wie die nicht eben unterdimensioniert wirkende BMW Welt in München (im Bild). Die Dimension des Projekts in Dalian, wo unter einem muschelförmigen Dach eine kleine Stadt inklusive Opernhaus und Konferenzhalle Platz finden wird, beschreibt der Architekt so: "Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Ring vis-a-vis der Staatsoper und blicken Richtung Oper. Das Gebäude in Busan reicht linker Hand bis hinter die Albertina, rechter Hand auf der Höhe des Bristol weit in die Kärntnerstraße. Und das Dach ist doppelt so hoch wie das der Staatsoper." Weitere Großprojekte hat Coop Himmelb(l)au derzeit u.a. in Lyon (das Musee des Confluences in Lyon "wird endlich fertig"), im dänischen Aalborg (wo eine 1300-Plätze-Konzerthalle gebaut wird), im chinesischen Shenzhen (wo ein Museumskomplex entsteht) und in Frankfurt am Main am Laufen. Das dort geplante EZB-Headquarter ist trotz aller weltwirtschaftlicher Turbulenzen im Plan. "Ein Baustopp wäre in dieser Situation wohl ein falsches Signal." 

Im Bild: Der Architekt und Gründer der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au, Wolf D. Prix, vor der neuen evangelischen Martin Luther Kirche in Hainburg. Weitere Projekte möchte Prix nicht aufzählen ("Das weckt nur den Neid") und über jene Projekte, die gerade verhandelt werden, möchte er auch möglichst wenig Worte verlieren: "Ankündigungsprojekte sind nie gut. Das sollen die Politiker machen." Nur so viel: Auch in Wien kommt wieder Bewegung in eine Sache, die schon verfahren schien. Das "Town Town"-Projekt in Wien-Erdberg wird gerade neu entworfen, die Planungen stehen kurz vor der Umwidmung. Prix: "Es schaut gut aus."

Im Bild: Wohnhaus von Coop Himmelblau in der Schlachthausgasse in Wien-Landstraße.
(apa / sog) Erstellt am
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