Wohnen
03.08.2018

Barber Osgerby im Interview: Designs ohne Ego

Vor 20 Jahren hat das Designduo Barber Osgerby die erste Auszeichnung für eine Designidee bekommen. Heute sind es weit über 50.

KURIER: Sie entwerfen seit 22 Jahren Möbel – was macht gutes Design aus?

Edward Barber: Die Einfachheit. Es gibt keinen Grund, die Dinge kompliziert zu machen. Das macht keinen Sinn. Die Herstellung kostet mehr Geld und braucht mehr Energie. Ich sage nicht, dass es nicht gut aussieht, aber es ist kein gutes Design.

Wie wichtig ist Funktionalität?

Die Funktionalität ist das Wichtigste. Wenn das Design funktioniert, kann man mit den Details spielen.

Sie haben Architektur studiert. Warum entwerfen Sie jetzt Möbel?

Wir haben damals Häuser und Innenräume konzipiert. Dafür wollten wir auch die Möbel entwerfen. Wir haben aber nie geglaubt, dass daraus ein Beruf wird. Wir dachten immer, dass es Architektur bleibt. Aber als wir den Firmen unsere Projekte gezeigt haben, waren sie interessiert und so hat alles begonnen.

Wie ist der Arbeitsprozess bei Barber Osgerby?

Wir haben noch nie alleine gearbeitet, sondern immer zu zweit. Das ist für uns seit der Schulzeit normal. Einer von uns beiden startet mit einer Idee und daran arbeiten wir gemeinsam, das dauert oft mehrere Jahre. Wir sind gute Freunde und die Projekte sind keine Ego-Geschichten für uns. Wir designen einfach gern und wollen das gut machen.

Gibt es Themen, über die Sie immer diskutieren müssen oder sich immer einig sind?

Nein, jedes Projekt ist anders.

Sie gewinnen jedes Jahr einen Preis für eines Ihrer Designs. Herrscht Weltuntergangsstimmung, wenn Sie einmal keine Auszeichnung bekommen?

Jeder liebt das Gefühl, Awards zu gewinnen und das hört niemals auf. Das werde ich auch noch mit 70 Jahren genießen. Am Anfang einer Karriere ist es sehr wichtig, Preise zu gewinnen, um Bekanntheit zu erlangen. Aber jetzt weiß ich oft nicht, welche Auszeichnung wir für was bekommen, weil die Firmen, mit denen wir arbeiten, unsere Designs einreichen.

Sie haben eine Zwei-Pfund-Münze für Queen Elizabeth II designt. Wie ist es dazu gekommen?

Das war eines unserer lustigsten Projekte. Wir wurden von der Royal Mint, den Herstellern der britischen Münzen beauftragt, ein Zwei-Pfund Stück zu entwerfen. Es war sehr viel grafische Arbeit und das war neu für uns. Unser Entwurf wurde 18 Millionen Mal gedruckt und ein oder zweimal in meinem Leben war ich in einem Geschäft und habe diese Münze als Wechselgeld bekommen. Das war sehr schön.

Sie haben auch einen OBE, die höchste königliche Auszeichnung, die die Queen an einen britischen Bürger verleihen kann, erhalten. Wofür?

Ich weiß es nicht (lacht). Wir haben den OBE für unsere Verdienste an der Designindustrie erhalten, das steht auf unserem Zertifikat. Ich denke, wir haben ihn bekommen, weil wir ein sehr breites Feld in der Designindustrie abdecken und viele Architekten und Möbeldesigner beschäftigen.

Sie haben die Fackel für die Olympischen Spiele 2012 designt. Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Zehn Tage. Sie haben uns nicht mehr Zeit gegeben.

Haben Sie in diesen zehn Tagen geschlafen?

Nein. Jay und ich haben unseren Entwurf eingereicht und wir wurden aus rund tausend Bewerbern ausgewählt. Ich liebe das Design der Fackel. Es ist eine sehr leichte Aluminiumstruktur mit zwei Umrahmungen aus unterschiedlichen Lochmustern. Die Löcher werden nach unten hin kleiner, damit die Fackel angenehm in der Hand liegt.

Welche selbst designten Möbel haben Sie bei sich Zuhause?

Nicht sehr viel. Ich habe einen Loop Tisch, das war eines unserer ersten Designs. Aber ich habe nicht viele Möbel Zuhause.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Ich habe immer Pläne. Wir arbeiten derzeit an 40 oder 50 verschiedenen Designs und designen jedes einzelne Projekt mit. So lange bis das kleinste Detail passt. Mehr verrate ich noch nicht.