Architekt der Vielfalt: Heinz Neumann ist 70

Mit dem UNIQA-Tower und der BahnhofCity Wien West hat der Wiener in der Architektur der Bundeshauptstadt deutliche Spuren hinterlassen.

Er hat die Skyline des Wiener Donaukanals durch den UNIQA-Tower und seine Tätigkeit als Ausführungsplaner von Jean Nouvels im Vorjahr eröffnetem Sofitel-Hochhaus entscheidend mitgeprägt, ist an der im Bau befindlichen "BahnhofCity Wien West" ebenso beteiligt wie an der laufenden Überbauung des Bahnhofsareals Wien-Mitte: Das Wirken von Architekt Heinz Neumann hinterlässt deutliche Spuren in der Bundeshauptstadt. Am Dienstag (30. August) feiert er seinen 70. Geburtstag. Sein Büro, in dem rund 70 Mitarbeiter beschäftigt sind, heißt "Neumann & Partner". "Ich glaube, dass Architektur nur durch interdisziplinäre Arbeit in einem Team zu meistern ist. Wir bauen heutzutage Prototypen, und zwar High-Tech-Gebilde", sagt Neumann. "Nur durch das klaglose Zusammenspiel aller Fachleute kann der Dirigent, der Architekt, das Werk meisterlich beenden." Als sein eigenes Meisterstück gilt der 2004 eröffnete UNIQA-Tower, aber auch das dreieinhalbminütige, auf der Homepage abrufbare Imagevideo, in dem Neumann vor offenem Kamin seine persönliche Sicht auf sein Metier referiert, ist perfekt gemacht.

Im Bild: Heinz Neumann und Konstantin Klien "Meine persönliche Meinung ist, dass der Architekt kein Credo zu verbreiten hat, denn ich glaube nicht daran, dass nur eckig, nur rund, nur schief etwas Wesentliches für gute Architektur ist", so Neumann in seinem Grundsatzstatement. "Ich glaube, Vielfalt ist das Wesentliche, denn jeder Ort, jede Bauaufgabe, jede Zielsetzung verlangt eine andere architektonische Antwort."

Im Bild: Der Ares Tower in der Wiener Donaucity Gebaute Antworten gibt der am 30. August 1941 geborene Wiener, der 1960-67 an der TU Wien Architektur studierte, seit 1973 als freischaffender Architekt. Davor arbeitete er u.a. bei den finnischen Architekten Alvar Aalto und Erko Virkkunen, dem Schweizer Jean Serrex oder dem Österreicher Karl Schwanzer. Von 1969 bis 1970 leitete er die Abteilung Bau- und Betriebsorganisation der Wiener Ford-Werke.

Im Bild: Saturn Tower, Wien Seine Projekte reichen vom Möbeldesign bis zu Großbauten wie dem oberösterreichischen Landesdienstleistungszentrum (gemeinsam mit Eric Steiner und Wolfgang Kaufmann) und Hochhäusern wie dem "Saturn Tower" (mit Hans Hollein) oder dem "Ares Tower" in der Donau-City, für deren Masterplan er mitverantwortlich zeichnete. 2009 wurde das von ihm gemeinsam mit Ernst Maurer geplante Landeskriminalamt Niederösterreich in St. Pölten eröffnet.

Im Bild: Der Ares Tower in der Wiener Donaucity Gebaut wird u.a. an der "BahnhofCity Wien West" (gemeinsam mit Eric Steiner geplant), dem Großprojekt Wien-Mitte (mit Eric Steiner, Manfred und Laurids Ortner), der neuen Serbien-Zentrale der Wiener Städtischen Versicherung in Belgrad, den Landesdirektionen der Wiener Städtischen Versicherung und der Donau Versicherung in St. Pölten und am Umbau des ehemaligen Gebäudes der Pensionsversicherungsanstalt der Arbeiter an der Rossauer Lände in ein Universitäts-Zentrum.

Im Bild: Ein Teil der BahnhofCity Wien West Zu seinen Auszeichnungen zählen u.a. der Adolf-Loos-Architekturpreis für Bürobauten (1993), der Otto-Wagner-Städtebaupreis (1995) und der Bauherrenpreis für den UNIQA-Tower (2006). 2002 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen.

Im Bild: UNIQA-Tower am Wiener Donaukanal Heinz Neumann bewohnt mit seiner Frau Maria ein Haus an den Hängen des Kahlenbergs, zum Grund gehört ein kleines, bewirtschaftetes Weingut und ein großer Obstgarten. "Wir kaufen kein Segelboot, wir ziehen lieber unser eigenes Gemüse", gab der "sanfte Grüne" Neumann vor einem halben Jahr im Wirtschaftsmagazin "Trend" zu Protokoll. Und genauso sanft schließt er seine Videobotschaft: "Wir müssen mit unserer gebauten Umwelt sehr vorsichtig und sorgfältig umgehen. Unsere Gesellschaft, unsere heutige Zeit wird irgendwann einmal nach unseren Bauwerken beurteilt werden. Das bedeutet Verantwortung, und diese Verantwortung trägt der Architekt. Architektur ist das Spiegelbild der Gesellschaft."
(apa / sog) Erstellt am
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