12. Architekturbi­en­nale in Venedig startet

Das internationale Treffen, bei dem es um viel mehr geht als um trockenes Modell-Schauen, steht heuer unter dem Motto "People Meet in Architecture".


Fast möchte man mittendurch rennen: Olafur Eliasson hat in seinem Beitrag zur 12. Architekturbiennale Venedig spritzende Wasserschläuche als blitzende Lichtshow aufgehängt. Aber ob solche Installationen überhaupt Architektur sind? 

Klicken Sie ins Bild, um fortzufahren: Erste Bilder der Architekturbiennale in Venedig! Mit der internationalen Ausstellung in den Arsenale hat Direktorin Kazuyo Seijima ihrem Publikum spektakuläres Material zum Scheiden der Geister zur Verfügung gestellt. Nach der Eröffnung morgen, Samstag, ist die Biennale bis zum 21. November zu sehen.

im Bild: "Cloudscapes" von Transsolar & Tetsuo Kondo Architects. Mit 46 Teilnehmern und 53 Nationen, die sich in den Länderpavillons der Giardini präsentieren, geht die Architektur-Biennale Venedig in die 12. Runde. "People Meet in Architecture" hat die japanische Biennale-Direktorin Kazuyo Sejima zum Motto gewählt und präsentiert damit recht unorthodoxe Raumkonzepte.

Im Bild: Entspannt geht es in der "Fischerhütte", dem Ausstellungspavillion von Bahrain, zu. Ein Streifzug durch die Arsenale führt durch Räume voller Nebel, voller fragilster japanischer Fieberglasinstallationen, voller schwerer, vermeintlich prähistorischer Gerätschaften, die allesamt "neue Wege des Lebens ausdrücken", wie Sejima in ihrem Programm schreibt. 

Im Bild: Ballon-Installation "Instant Untitled" von Hood Designed and MOS über dem amerikanischen Pavillio. Raum zu nutzen, um Ideen für eine neue Welt zu materialisieren, das ist für die japanische Pritzker-Preisträgerin, die als erste Frau den Direktoren-Posten innehat, eine Definition für die Profession des Architekten.

Im Bild: Besucher in "Metropolis" von Dominique Perrault, Kurator des französischen Pavilions. Als leuchtendes Beispiel wird heuer der niederländische Architekt Rem Kohlhaas mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet, der "die Möglichkeiten der Architektur ausgeweitet" habe.

Im Bild: Casa da Música (Porto, Portugal) von Rem Kohlhaas kurz nach der Eröffnung 2005. Eliassons Raumspektakel, dem die Besucher im Dunkel gegenübertreten, ist nicht die einzige Installation, der der Charakter von Erlebnis-Inszenierung anhaftet. 

Im Bild: Projekt "Sehnsucht (yearning)" im deutschen Pavillion. Mit meditativ geschlossenen Augen sitzt man zwischen den 40 Lautsprechern von Janet Cardiffs "Forty Part Motet", aus denen je eine Stimme erklingt, und die einen symphonischen Kreis der Klang-Architektur in sich schließen.

Im Bild: "Factory Russia" ist das Projekt von Sergei Tchoban im russischen Pavillion. Man steigt auf elegant geschwungenen Treppen in die Nebelwolken der deutschen Transsolar und Tetsuo Kondo Architects (im Bild) auf und bestaunt zwei Räume weiter ... ... feinstes japanisches Fieberglas - oder versucht es vielmehr mit den Augen einzufangen - wenn es in verschwindend transparenten Linien ein kleines Bauwerk im Originalmaßstab ganz aus Luft nachzeichnet.

Im Bild: Installation "Blueprint" von koreanischen Architekten und Eulho Suh Kyung Kim En. Während in den hohen Hallen der Arsenale heuer also mit Wasser, Nebel, Klang und Luft gebaut wird, setzen die Länderpavillions im Park der Giardini ...

Im Bild: "Ailati, Reflections of the Future" von Luca Molinari im italienischen Pavillion. ... auf vergleichsweise konventionelle Präsentationsformen und hohe Konzentration von Fotos, Grundrissen und Projektmodellen - der österreichische Pavillion keine Ausnahme. 

Im Bild: Der Austro-Pavillion: Die Außenansicht zeigt Projekte österreichischer Architekten wie Coop Himmelb(l)au, Hans Hollein, Carl Pruscha oder Raimund Abraham. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Kulturministerin Dr. Claudia Schmied eröffneten heute gemeinsam mit Kommissär Eric Owen Moss den Österreich-Beitrag zur Biennale. Unter dem Titel "Austria under Construction" werden Beiträge österreichischer Architektinnen und Architekten im Ausland sowie solche ausländischer Baukünstlerinnen und -künstler in Österreich gezeigt. Angesichts solcher Erlebniswelt sieht man so manche gerümpfte Experten-Nase. Dem ist zweierlei zu entgegnen: Einerseits die Chance, mit Architektur nicht nur ein Publikum der Spezialisten anzusprechen und damit dem heurigen Biennale-Motto "People meet in Architecture" tatsächlich gerecht zu werden. Und andererseits das immer noch große Angebot, auf mehrtägige Tuchfühlung mit internationalen architektonischen Diskursen zu gehen.
(apa) Erstellt am
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