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Wissen Wissenschaft
12/25/2020

Warum wir Weihnachten am 25. Dezember begehen

Seit dem 4. Jahrhundert wird Weihnachten gefeiert. Wobei keiner weiß, wann Jesus Christus geboren wurde. Erklärungsversuche für das Geburtstagsfest zur Wintersonnenwende.

von Susanne Mauthner-Weber

Schon im 2. Jahrhundert n. Chr. war er eine große Nummer in Rom, er bekam einen eignen Tempel, hört man. „Und so mancher Kaiser wählte ihn als Schutzgott“, erzählt Johannes Preiser-Kapeller. Im Jahr 274 bestimmte Kaiser Aurelian dann, dass der Geburtstag des römischen Reichsgottes Sol Invictus zur Wintersonnenwende – am 25. Dezember – begangen werden sollte, erzählt der Mittelalterforscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Auch Kaiser Konstantin stand auf diesen Gott. Als der römische Machthaber ab 312 erst zum Christenförderer und dann auch selbst Christ wurde, nahmen die Dinge unaufhaltsam ihren Lauf: Konstantin zuliebe wurde das Geburtsfest des neuen Gottes Jesus Christus, den er anerkennen sollte, auf denselben Tag gelegt. Motto: „Das kannte er schon“, sagt Preiser-Kapeller. „Kurz danach – 336 – ist jedenfalls das erste Weihnachten belegt.“

Fantasievolle Theorien

Keiner weiß, wann Jesus geboren wurde. Vielleicht entwerfen Religionswissenschafter deshalb fantasievolle Theorien, um den 25. Dezember zu erklären. Das zweckentfremdete Fest des heidnischen Sonnengottes Sol Invictus wurde jedenfalls im 19. Jahrhundert vom deutschen Theologen und Altertumswissenschafter Hermann Usener ins Spiel gebracht, erklärt Preiser-Kapeller. „Die Christen haben sich quasi darauf gesetzt.“

Tatsächlich gab es im Verlauf des Mittelalters unterschiedliche Daten, an denen die Geburt Christi begangen wurde. Denn im Neuen Testament gibt es keinerlei Hinweise auf sein Geburtsdatum. Die Forschung hat inzwischen mehrere Hypothesen, warum sich ab dem 4. Jahrhundert in Rom der 25. Dezember etablierte. Fast alle sind bis heute umstritten – zu viele Quellen widersprechen einander.

  • 1. und 2. Jh. n. Chr.:  Den frühen Christen war es kein Anliegen, den Tag der Geburt Jesu Christi zu begehen, erwartete man doch die baldige Wiederkehr des Herrn. Als sich diese sogenannte Parusie-Erwartung nicht erfüllte, begann man doch  über entsprechende Feste nachzudenken.
  • 354: Der 25. Dezember als Tag der Geburt Jesu Christi wird erstmals in einer sehr schönen Bilderhandschrift genannt, die auf römischen Quellen aus dem Jahre 336 beruht. Verfasst wurde sie von Furius Dionysius Filocalus, einem Vertrauten Papst Damasus I., im Auftrag eines reichen christlichen Aristokraten. Sie enthält den Eintrag: „Christus ist während des Konsulats von C.  Caesar Augustus und L. Aemilianus Paulus am 25. Dezember, einem Freitag, dem 15. Tag des Mondalters geboren“. Wie der Geschichtsschreiber auf just diesen Tag gekommen ist, beschäftigt Religionswissenschafter bis heute.
  • 381: Für dieses Jahr ist die Feier am 25. Dezember durch Gregor von Nazianz in Konstantinopel belegt. Er bezeichnet sich als Initiator oder Förderer des Weihnachtsfests.
  • 383:  Gregor von Nyssa feiert Weihnachten am 25. Dezember in Kappadokien.
  • 4. Jahrhundert: Der 25. Dezember setzte sich zunächst in Rom  als Geburtstermin Jesu durch.  Aber auch in  Nordafrika, dem Orient, Italien und Spanien sind Feiern belegt.  
  • 432: Das Weihnachtsfest ist in Ägypten nachgewiesen.
  • 534: Der 25. Dezember  wird von Kaiser Justinian per Gesetz für das ganze Reich als Weihnachtsfest festgelegt.
  • 6. Jahrhundert: Unter Justinian wird das Fest jetzt auch  in Jerusalem  gefeiert. Während alle anderen Kirchen den 25. 12. für Weihnachten übernehmen, hält die armenische Kirche am 6. Jänner als Geburtsfest Jesu fest.
  • Um 550: In Rom finden drei Weihnachtsmessen statt. Im Frühmittelalter wird dieser Brauch  im gallisch-fränkischen Raum übernommen. Karl der Große machte ihn in seinem Reich verbindlich.
  •  Hochmittelalter:  Weihnachtliches Brauchtum  entsteht –  Mysterienspiele nach dem Vorbild der Osterspiele sind etwa im 11. Jahrhundert in Frankreich bezeugt. Am Tag der Unschuldigen Kinder (28. Dezember) darf der niedere Klerus den höheren  parodieren; dieses  karnevaleske Brauchtum wird im 15. Jahrhundert jedoch wieder verboten. 

Hans Förster, Wiener Kirchengeschichtler, etwa lässt kein gutes Haar an der These, dass die heidnische Sonnenwendfeiern für Sol Invictus einfach auf die christliche Lichtgestalt umgedeutet wurden. Sonnenwendfeste im Winter hätten keine Bedeutung gehabt, argumentiert er. Mehr noch: Kirchenväter befürworteten Anfang des 5. Jahrhunderts den 25. Dezember als Weihnachtstag, weil man an diesem Tag mit keinem heidnischen Fest konkurrieren musste.

Antiker Tourismusmagnet?

Viel plausibler scheint Förster, dass man Pilgern, die bereits damals in Scharen ins Heiligen Land kamen, etwas bieten wollte – heute hieße es: Weihnachten als Touristenmagnet. Man wusste, dass Jesus in Bethlehem geboren war, dort gab es eine Geburtskirche, also brauchte man auch ein Geburtstagsfest. Der 25. Dezember passte gut in den Zeitplan der kirchlichen Feiertage. Außerdem wurden da die Tage langsam wieder länger, was Hoffnung verkörpert, die sich aus der Geburt Jesu speiste, argumentiert der Kirchenrechtler.

Für den Mittelalterforscher Preiser-Kapeller ist klar: „In den ersten Jahrhunderten des Christentums darf man nicht von nur  e i n e r  Tradition ausgehen. Der 25. Dezember taucht zwar im Rom des 4. Jahrhunderts auf, wir sehen aber, dass es 200 Jahre dauerte, bis das Weihnachtsfest auch im Osten, in Konstantinopel, anerkannt wurde."

Es gab viele parallele Ideen, viele Traditionen bestanden gleichzeitig. Allmählich hat sich das Fest, das in Rom, dem Sitz des Papstes, gefeiert wurde, durchgesetzt.

Johannes Preiser-Kapeller | Mittelalterforscher, ÖAW

1.000 Jahre lang wurde das Datum übrigens nicht infrage gestellt. „Erst seit dem 18. Jahrhundert wird darum gestritten. Auffällig, laut Preiser-Kapeller: „Die Kirche versuchte, alle wichtigen Termine zu besetzen. Ostern, der Todeszeitpunkt Jesu, fällt mit der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche zusammen, Weihnachten mit der Winter-Sonnenwende. Außerdem konstruierte man: Johannes, der Täufer, war ein halbes Jahr älter als Jesus – dessen Geburt fällt also auf die Sommersonnenwende. Neun Monate zuvor wurde er gezeugt – womit auch die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche okkupiert wäre. Damit war das christliche Jahr durchstrukturiert und heidnische Feste waren verdrängt.“

Wer sich jetzt fragt, warum wir bereits am 24. Dezember feiern, wird von Preiser-Kapeller an jüdische, islamische und christliche Bräuche erinnert: „Der Vorabend gehört bereits zum Fest“.

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