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Wissen Wissenschaft
07/09/2021

Chlamydien leben teils von Sonnenlicht statt als Genitalienentzünder

Wiener Forscher fanden bei Umweltchlamydien Gene, mit denen sie ohne Sauerstoff existieren und aus Sonnenstrahlung Energie gewinnen können.

Menschen, die Chlamydien beim Namen kennen, schwärmen selten für die Mikroben, verursachen sie doch oft Entzündungen an den Genitalien, Augen und der Lunge. Viele von ihnen sind aber friedliche "Umweltchlamydien" und verdingen sich weltweit als Partner (Symbionten) von Tieren und Einzellern, so Wiener Forscher. Manche haben sogar von anderen Bakterien Gene gestohlen, um Sonnenlicht als Energiequelle nutzen zu können, berichten sie im Fachjournal Nature Communications.

Chlamydien wachsen ungerne in Labors. Deswegen hat ein Team um Matthias Horn vom Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien ihr Erbgut analysiert, das in unterschiedlichsten Lebensräumen extrahiert, sequenziert und rekonstruiert wurde.

Sehr anpassungsfähig

Ihre für Menschen oft unangenehme Eigenschaft, tierische Zellen zu infizieren, hat sich laut der Erbgutdaten schon vor Urzeiten in den Vorfahren der Chlamydien entwickelt, so die Forscher. Bisher habe man geglaubt, dass alle Chlamydien Sauerstoff benötigen, doch das stimmt nicht. In ihrer Entwicklungsgeschichte hätten sie offensichtlich mehrmals gelernt, Energie über diverse Stoffwechselwege zu gewinnen, um auch sauerstofffreie Lebensräumen zu besiedeln.

Die Forscher berichten auch von der "erstmaligen Entdeckung von Chlamydien, die Sonnenlicht als Energiequelle nutzen". Die nötigen Gene erwarben sie wohl von anderen Bakterien, mit denen sie gemeinsam in Seen der Antarktis vorkommen.

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