Wissen und Gesundheit
11.05.2012

Wieder mehr HIV-Infektionen in Österreich

Der leichte Rückgang im Jahr 2010 dürfte nur eine Zufallsschwankung gewesen sein. Das Risikoverhalten ändert sich offenbar nicht.

Die Zahl der Neudiagnosen von HIV-Infektionen ist in Österreich im vergangenen Jahr mit 525 Fällen wieder gestiegen. 2010 waren es 487 gewesen. Am Risikoverhalten der Bevölkerung in Sachen Immunschwächekrankheit kann sich damit kaum etwas geändert haben, schlussfolgern die Experten des Departments für Virologie der MedUni Wien am Montag in ihrer Jahresübersicht für 2011 zu dem Thema.

Risikoverhalten

Dass es im Jahr 2011 deutlich mehr diagnostizierte HIV-Infektionen gegeben hat als 2010, diese jedoch wenig höher waren als in den Jahren davor, erklärt sich Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl folgendermaßen: "Es scheint als ob der leichte Rückgang der Neudiagnosen im Jahr 2010 nur eine Zufallsschwankung war und keine wirkliche Änderung der Situation in Österreich stattgefunden hat. Leider sind wir nach wie vor von den niedrigeren Zahlen früherer Jahre weit entfernt, und es scheint, dass das HIV-Risikoverhalten sich nicht verbessert hat".

"Rund 8.000 Betroffene"

Eine Zunahme im Vergleich zu 2009 und 2010 habe es vor allem in Wien und Kärnten gegeben. Konstant würden 70 Prozent der Neudiagnosen einer HIV-Infektion österreichische Staatsbürger betreffen, zehn bis 15 Prozent Personen aus anderen europäischen Ländern und sechs bis zwölf Prozent Patienten aus Afrika.

Laut der seit Jahren laufenden österreichischen "Kohortenstudie" erhalten derzeit etwa 4.000 Personen antivirale Therapien in klinischen Zentren oder bei niedergelassenen HIV-Experten. Wenn die Patienten einbezogen werden, die bekannt HIV-positiv sind, aber derzeit keine antivirale Therapie erhalten, und angenommen wird, dass 25 Prozent aller HIV-Infizierten bis jetzt noch nicht diagnostiziert sind, käme man derzeit auf rund 8.000 mit HIV/Aids lebende Menschen.

Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass in Österreich derzeit rund 1.700 Menschen an der erworbenen Immunschwäche erkrankt sind. Die Zahl der Patienten, die seit 1983 an Aids verstorben sind, wurde mit Anfang Dezember 2011 mit 1.945 Personen angegeben. Hier hatten Nachforschungen und Überprüfungen mit einem Schlag zu einem deutlichen Anstieg in der Statistik geführt.

Früherkennung

Die Virologin Puchhammer-Stöckl: "Ein sehr wichtiger Aspekt für das Eindämmen der HIV-Neuinfektionen ist der Zeitpunkt, wann im Krankheitsverlauf die Erstdiagnose der HIV-Infektion erfolgt. Hier zeigen die Daten, dass leider nur ca. 20 Prozent der Patienten in Österreich eine relativ frühe Diagnose erhalten." Bei einem Viertel der neu festgestellten Infektionen war bereits ein sehr fortgeschrittenes Stadium der Immunschwäche erreicht. Dadurch erhöht sich die Gefahr einer Weiterverbreitung.

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