Die Verknüpfung zwischen Verdauungstrakt und Nervensystem ist offenbar noch direkter als man das bisher angenommen hat.

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Wissen
09/25/2018

Warum wir mehr auf unser Bauchgefühl hören sollten

Eine neue Studie zeigt: Hirn und Bauch kommunizieren über bestimmte Zellen und Nerven direkter als bisher gedacht.

Jeder kennt es: Schmetterlinge im Bauch beim Verliebtsein, Rumoren im Darm vor einer Prüfung.

Das Bauchgefühl, auch als Intuition bekannt, reagiert in gewissen Situationen schneller als es der Kopf kann. Schon Albert Einstein maß dem Bauchgefühl im Forschungsprozess große Bedeutung zu und mehrere bereits durchgeführte Studien zeigen, dass der erste Impuls meist der richtige ist.

Psychologen und Wissenschaftler vermuteten als Mittel dieser Informationsübertragung bisher meist die Hormone. Jetzt zeigen Neurowissenschaftler der Duke University in North Carolina (USA) in einer vor kurzem im Magazin Science erschienenen Studie: Die Verknüpfung zwischen Verdauungs- und Nervensystem ist direkter als bisher erwartet.

Die Forscher rund um Melanie Kaelberer fanden heraus, dass gewisse Zellen innerhalb der Darmwand direkt an ihrer Außenseite mit Ausläufern des autonomen Nervensystems interagieren.

In einem Experiment mit Mäusen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass diese Zellen neuronale Verknüpfungen mit dem Vagus- Nerv, einem der zwölf Hirnnerven, bilden. Dieser Nerv zählt zu den wichtigsten Verbindungen zwischen Hirnstamm und inneren Organen. In diesen neuronalen Verknüpfungen (Synapsen) wird mit Hilfe von Übertragerstoffen (Transmittern) ein Nervensignal ausgelöst, das dann die Informationskaskade zum Gehirn anstößt.

Der sechste Sinn?

Somit können Signale über wechselnde Zustände aus dem Darm in weniger als 100 Millisekunden über die Nerven ans Gehirn gelangen – Die bisher vermutete Informationsvermittlung über Hunger- und Sättigungshormone dauert hingegen mehrere Minuten.

"Wir denken, das könnte die biologische Grundlage einer neuen Sinnesleistung sein, die das Gehirn darüber informiert, wann der Darm mit Nahrung und Kalorien gefüllt ist", sagt Diego Bohórquez von der Duke University. Das Bauchgefühl sollte somit laut den US-Forschern zum sechsten Sinn erklärt werden.

Weiters beobachteten die Forscher in ihrem Experiment, dass der Vagus-Nerv in höherer Frequenz Signale abgibt, wenn die Tiere mit Zucker gefüttert wurden. Für die Zukunft bleiben noch viele Fragen offen: Wie reagieren diese Zellen beispielsweise, wenn etwa Umweltgifte oder Krankheiten auf sie einwirken?

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