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Wissen
07/07/2020

Studie: Kinder haben zu viele Chemikalien im Blut

Wo die PFAS-Schadstoffe zu finden sind und warum man sie schwer vermeiden kann.

Zuerst wurde vor den Chemikalien in Babyflaschen gewarnt - seit mehreren Jahren sind diese frei von BPA (Bisphenol A) und Eltern können beruhigt sein.

Jetzt warnte das deutsche Umweltbundesamt (UBA), dass bei Kindern und Jugendlichen andere Chemikalien im Blut nachgewiesen wurden. Konkret handelt es sich um sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFAS. UBA-PrÀsident Dirk Messner betonte, die dadurch verursachten SchÀden seien hÀufig noch unerforscht.

Diese Chemikalien werden zum Beispiel zur Beschichtung von Kaffeebechern, Outdoorjacken, Pfannen oder fĂŒr LöschschĂ€ume verwendet, weil sie fett-, wasser- und schmutzabweisend sind. Aus dieser 4.700 Chemikalien umfassenden Stoffgruppe wurden in einer Studie zwei Chemikalien am hĂ€ufigsten gefunden - die sogenannte PerfluoroktansulfonsĂ€ure (PFOS) und die PerfluoroktansĂ€ure (PFOA). In einem FĂŒnftel der untersuchten Proben lag die PFOA-Konzentration ĂŒber dem von einer Kommission festgelegten Wert, bis zu dem eine gesundheitliche BeeintrĂ€chtigung ausgeschlossen wird. Rund sieben Prozent darĂŒber lagen ĂŒber dem Schwellenwerte fĂŒr PFOS. Untersucht wurden Kinder zwischen drei und 17 Jahren.

Sogar beim Stillen werden Schadstoffe weitergegeben

PFAS reichern sich vornehmlich im Fettgewebe an und können auch ĂŒber die Muttermilch von der Mutter auf das Kind ĂŒbergehen. Die Studienergebnisse zeigen, dass gestillte Kinder höher mit PFAS belastet sind als nicht gestillte Kinder. Erhöhte Konzentrationen von PFOA und PFOS im menschlichen Blut können etwa die Wirkung von Impfungen vermindern, die Neigung zu Infekten erhöhen, die Cholesterinwerte erhöhen und bei Nachkommen ein verringertes Geburtsgewicht zur Folge haben.

Da PFAS in sehr vielen Produkten verwendet werden, ist es nicht einfach, den Kontakt mit diesen Chemikalien zu vermeiden. Das Umweltbundesamt rÀt Verbrauchern unter anderem, auf in beschichteten Kartons aufbewahrte Lebensmittel zu verzichten. Auch schmutzabweisende Textilien wie Teppiche oder VorhÀnge tragen zur Belastung bei.

PFAS sind auch fĂŒr die Umwelt ein Problem: Aufgrund ihrer Langlebigkeit verteilen sie sich ĂŒber Luft und Meeresströmungen großflĂ€chig rund um den Globus. Sie wurden auch schon in Seehunden, Seeadlern, Ottern und EisbĂ€ren nachgewiesen.

Das Umweltbundesamt versuche gemeinsam mit anderen europĂ€ischen LĂ€ndern, diese Stoffe in der EuropĂ€ischen Union "so weit wie möglich zu verbieten", erklĂ€rte Messner. "Dies ist aus VorsorgegrĂŒnden der richtige Schritt."

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