Wissen
13.03.2018

Sensationell: So viele Flechtenarten gibt es in den Alpen

Im gesamten Alpenbogen wurden mehr als 3000 Arten gezählt. Alleine im Nationalpark Hohe Tauern kommen mehr als 1100 Arten vor.

15 Jahre hat die Erhebung gedauert, das Ergebnis ist sensationell: Ein Team von Forschern unter der Leitung von Pier Luigi Nimis von der Universität Triest hat einen Katalog aller in den Alpen vorkommenden Flechtenarten erstellt. Insgesamt konnten sie 3138 Arten nachweisen. Flechten sind eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen einem oder mehreren Pilzen und einem oder mehreren Partnern, die Photosynthese betreiben (Algen oder Cyanobakterien). Die Studie der Wissenschaftler ist im Fachmagazin MykoKeys erschienen.

Große Vielfalt in den Hohen Tauern

Eine frühere Erhebung hat übrigens gezeigt, dass alleine im Nationalpark Hohe Tauern mehr als 1100 Flechtenarten vorkommen. "Das ist knapp die Hälfte aller in Österreich bis jetzt nachgewiesenen Flechten. Und im Vergleich zu allen anderen Pflanzenarten im Nationalpark einschließlich der Moose und Farne macht diese Artengruppe allein mehr als ein Drittel aus. Dies ist die bisher höchste Artenzahl, die in Nationalparks in Österreich und Deutschland festgestellt wurde", hieß es vor einiger Zeit in einer Aussendung des Nationalparks.

Eine besondere Art im Nationalpark Hohe Tauern, um die sich viele Mythen ranken, ist im übrigen die Wolfsflechte. Die gelbgrüne Flechte wächst vor allem auf alten Lärchen, aber auch auf Zirben und Holzdächern. Früher verwendete man ein aus der Wolfsflechte hergestelltes Pulver zum Vergiften von Füchsen und Wölfen. Die aus einem Pilz und einer Alge bestehende Lebensgemeinschaft ist sehr widerstandsfähig und zählt damit zu den Pionierpflanzen. Die zum Leben benötigten Nährstoffe nimmt die Wolfsflechte aus dem Niederschlagswasser auf.

Lebensfähig auch auf dem Mars?

Flechten spielen für das Ökosystem Wald eine wichtige Rolle - einerseits für den Wasser- und Nahrungskreislauf, andererseits sind sie wichtige Indikatoren für die Gesundheitheit des Waldes. Sie sind sogenannte Bioindikatoren für Luftverschmutzung, aber auch der Klimawandel macht sind in Veränderungen der Flechtenwelt bemerkbar. Flechten gedeihen in allen Regionen der Erde auch unter extremsten Bedingungen, sogar in der Antarktis. Versuche vor einigen Jahren haben gezeigt, dass sich Flechten möglicherweise sogar an das Klima auf dem Mars anpassen und dort überleben könnten.