© Schultz & Schultz / Ergotherapie Austria

KURIER Gesundheits-Coach
12/02/2015

Schlaganfall: So kann Ergotherapie helfen

Wie die Handlungsfähigkeit gestärkt werden kann.

Marion Hackl ist Präsidentin des Berufsverbands Ergotherapie Austria.

Was genau ist das Ziel von Ergotherapie?

Bei Ergotherapie geht es immer darum, die Handlungsfähigkeit von Menschen zu stärken, wiederherzustellen oder zu erhalten. Das ist auch der Unterschied zur Physiotherapie: Diese trainiert Bewegungen und Bewegungsabläufe, wir trainieren immer die konkrete Handlung. Dadurch, dass heute viele Patienten relativ frühzeitig aus stationärer Betreuung entlassen werden, geht es immer mehr darum zu schauen, welche Fähigkeiten hat der Patient zu diesem Zeitpunkt – und wie können wir ihm helfen, möglichst rasch zu Hause selbstständig zu sein.

Welche Möglichkeiten hat die Ergotherapie zum Beispiel nach einem Schlaganfall?

Hier können wir mit den Angehörigen die Situation der Wohnung beurteilen: Welche Adaptierungsmaßnahmen sind notwendig, welche Hilfsmittel, wie etwa spezielle Greifzangen, um auch höher gelegene Küchenkästchen öffnen zu können? Auch die Schulung der Angehörigen hat hier einen großen Stellenwert. Beim Schlaganfall speziell kommt hinzu: Oft sind die Bewegung und auch die kognitiven – geistigen – Funktionen beeinträchtigt. Das sieht man aber im Vergleich zu einer halbseitigen Lähmung nicht. Das kann z. B. dazu führen, dass eine alltägliche Handlung nicht im richtigen Ablauf durchgeführt werden kann. Eine der Kernkompetenzen von ErgotherapeutInnen ist es, durch das Einüben von Handlungen Motorik und Hirnleistung wieder zusammenzubringen.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Viele Patienten haben sogenannte räumlich konstruktive Störungen: Sie wissen z. B. nicht, welche die Ober-, die Unter-, die Vorder- und die Rückseite von einem T-Shirt ist – und wie sie es anziehen sollen. Hier ist es wichtig, den Ablauf zu üben – mit dem Patienten und den Angehörigen – damit dieser dann immer in der exakt gleichen Reihenfolge ausgeführt wird, auch ohne Anwesenheit eines Ergotherapeuten. Nur so verinnerlichen die Patienten die Handlungsabläufe.

Wie können Sie Patienten nach Schulterverletzungen helfen?

Auch hier trainieren wir die Handlung, wie etwa einen Geschirrspüler ein- und auszuräumen, zu öffnen und zu schließen. Wir können mit den Betroffenen eine Fülle von Hilfsmitteln ausprobieren. Wichtig ist hier aber auch, Klienten rechtzeitig von Hilfsmitteln zu entwöhnen – sonst sind diese ein Hindernis auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Und wir achten auch darauf, dass bei Alltagstätigkeiten keine Ausweichbewegungen gemacht werden, die schlecht für die Heilung bzw. für die Prothese sind. Die Erfolge sind umso besser, je früher mit der Ergotherapie begonnen wird. Leider gibt es aber in manchen Bundesländern lange Wartezeiten auf einen kassenfinanzierten Ergotherapeuten.


Marion Hackl am Telefon (01/526 57 60): Do, 3. 12., 14.00 bis 15.00 Uhr.

eMail: gesundheitscoach@kurier.at

Näheres zum Thema Ergotherapie finden Sie hier.

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