Nobelpreis: Große Literaten, die leer ausgingen

Die Geschichte des Literaturnobelpreises wurde von vielen Gewinnern und noch mehr Verlierern geschrieben: Tolstoi, Twain und Kafka wurden nie geehrt.

Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 von der Schwedischen Akademie vergeben. Die Auswahl der Preisträger läuft jedes Jahr streng gemäß Tradition. Denn Zusammensetzung und Arbeitsweise der Sprachakademie richten sich nach Regeln, die noch älter sind und auf die Gründung des Gremiums 1786 zurückgehen. Welche großen Autoren diesen Regeln anscheinend nicht gerecht werden konnten sehen Sie in dieser Bilderstrecke. Im Bild: Mark Twain, der Erfinder von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, lebte bis 1910 und hatte somit zehn Mal die Chance auf einen Literaturnobelpreis, da der Preis nur an lebende Autoren vergeben wird. An seiner Stelle haben Autoren wie Sully Prudhomme, Theodor Mommsen und Bjornstjern Bjornson die Auszeichnung erhalten. Offensichtlich war der Ausschuss nicht der Auffassung, Leo Tolstoi würde die moderne literarische Welt in "die ideale Richtung" führen. Weder "Krieg und Frieden" noch "Anna Karenina" wurden mit dem Nobelpreis für Literatur prämiert. Auch der große irische Schriftsteller James Joyce ging leer aus. Zu seinen bekanntesten Werken gehören neben "Ulysses" die "Dubliner", das autobiographische "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann" und "Finnigans Wake". Keinen Literaturnobelpreis gab es für Franz Kafka. Zu seinen bekanntesten Schriften, die er zu Lebzeiten veröffentlich hat, gehören "Das Urteil" und "Die Verwandlung". Die meisten Werke Kafkas wurden zum Teil erst nach seinem Tod und gegen seinen erklärten Willen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren und galt 1976 als Favorit, bekommen hat er den Literaturnobelpreis nie. Robert Frost zählt zu den wichtigsten amerikanischen Poeten des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Errungenschaften zählen vier Pulitzer Preise, aber einen Nobelpreis für Literatur bekam er nicht. Nordamerikanische Autoren bekamen erst elf Mal in der Geschichte des Literaturnobelpreises die begehrte Auszeichnung. Der französische Schriftsteller und Kritiker Marcel Proust verfasste den siebenteiligen Band "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Der Roman ist eines der bedeutendsten erzählenden Werke des 20. Jahrhunderts. An Prousts Stelle wurde der Preis 1920 an den Norweger Knut Hamsun für sein "Werk Segen der Erde" übergeben. Henrik Ibsenwurde aufgrund von Auslegungen des Regelwerks nach Alfred Nobel nicht prämiert. Ähnlich wie bei Tolstoi hatte man nicht das Gefühl, Ibsen würde die moderne literarische Welt in "die ideale Richtung" führen. 1943 erschien Marguerite Duras Debütroman "Die Schamlosen" dem keine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zuteil kam. Einen größeren Erfolg konnte sie 1950 mit "Heiße Küste" erzielen. Eine Auszeichnung durch das Komitee des Literaturnobelpreises durfte sie aber bist zu ihrem Tod 1996 nicht erfahren. In der Geschichte der Auszeichnung wurden bis dato lediglich zwölfmal Frauen geehrt, darunter die Österreicherin Elfriede Jelinek. Aus österreichischer Sicht gehört Peter Handke immer wieder zu den Favoriten für den Literaturnobelpreis. Gewonnen hat er ihn aber noch nicht. Sein Frühwerk thematisiert seine sprachkritische Haltung, später reflektierte der Österreicher über das Schreiben. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten. Ein Schauspiel" und "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien". Der berühmte Erfinder der fantastischen Mythenwelt Mittelerde, J.R.R. Tolkien, ist Begründer der modernen Fantasy-Literatur. Der Autor von "Herr der Ringe" wurde Zeit seines Lebens nicht mit einem Nobelpreis für Literatur prämiert. Zu Thomas Bernhards wichtigsten Werke zählen "Die Kälte", "Der Atem" und "Frost", sein erster Roman. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Trotzdem wurde Bernhard nie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

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(KURIER.at / cark) Erstellt am
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