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Wissen und Gesundheit
08/21/2014

Neue Designerdrogen europaweit auf dem Vormarsch

In Österreich haben sieben Prozent der Jugendlichen Erfahrungen damit.

von Gabriele Kuhn

Sie werden im Onlinehandel als "ultimative pflanzliche Pillen" angepriesen – mit denen man "völlig abgehoben" oder "sternhagelvoll" sein kann. Und das ohne "böse Nebenwirkungen".

"Legal Highs" – sogenannte psychoaktive Substanzen, die wie gängige Drogen wirken, sind laut aktueller Eurobarometer-Umfrage der EU-Kommission europaweit im Vormarsch. Die Zahl der jungen Menschen, die nach eigenen Angaben solche Drogen probiert haben, stieg von fünf Prozent im Jahr 2011 auf aktuell acht Prozent. Auch in Österreich, wo sieben Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren damit bereits Erfahrung haben. Laut Suchtmittelbericht 2013 des Bundesministeriums für Inneres boomt der Handel mit synthetischen Stoffen – während der Konsum "klassischer" illegaler Drogen wie Heroin und Kokain eher stagniert. Seit 1997 haben die EU-Länder mehr als 360 neue psychotrope Substanzen erfasst. Viele dieser Rauschgifte sind seit Jahren bekannt, teilweise auch verboten, werden aber von ihren Herstellern chemisch so verändert, dass sie unter neuem Namen wieder auf den Markt kommen.

Das zentrale Problem dabei: Mehr als ein Viertel der Befragten im Rahmen der Eurobarometer-Umfrage erklärten, dass sie in keiner Weise über die Auswirkungen und Risiken dieser Stoffe informiert wurden.

Scheinbar harmlos

Dabei kommen die – zumindest optisch – lustig, bunt und harmlos daher. Als "Herbal Highs", "Lufterfrischer", "Kräutermischungen". Und als Räuchermischungen, die die Wirkung von Cannabis imitieren. Oder als "Badesalze", die vor allem aus amphetaminähnlichen Stoffen bestehen und ähnlich wie Speed oder Ecstasy wirken. Andere Produkte aus der Natur – wie etwa Holzrosensamen – wirken halluzinogen wie LSD.

Versprochen wird der Kick, aber was drin ist, weiß keiner so genau. Und wie der Stoff exakt wirkt, beziehungsweise was er im Körper macht, ist noch weniger bekannt.

Das ist nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern erschwert die Arbeit an Drogenberatungsstellen, deren Ziel es ist, Konsumenten über Drogen so aufzuklären, dass man sein persönliches Risiko möglichst minimiert. Bei manchen Designerdrogen, die vor allem in chinesischen Labors immer wieder neu zusammengebastelt werden, ein Ding der Unmöglichkeit. Viele diese Stoffe wurden im Rahmen der medizinisch-pharmazeutischen Forschung synthetisiert und probiert, erreichten aber wegen Nebenwirkungen oder aus anderen Gründen niemals die Marktreife. "Durch die globale Vernetzung sind Forschungsarbeiten und damit die Molekularstrukturen der Substanzen heute so zugänglich, dass das jeder nachbauen kann", sagt Karl Kociper von der Drogenberatungsstelle CheckIt!. Und: "Die Gefahr ist, dass diese Substanzen total unerforscht sind und es daher sehr schwierig ist, konkrete Informationen dazu zu bekommen. Es bleibt ein unbestimmtes Zusatzrisiko, weil man über das Abhängigkeitspotenzial, über Langzeitfolgen oder andere potenzielle Gesundheitsrisiken nichts weiß". Auch er bestätigt, dass es mehr dieser neuen psychoaktiven Substanzen auf dem Markt gebe und die Dunkelziffer dabei sehr hoch sei. Dennoch könne er aus der CheckIt!-Praxis nicht sagen, dass diese tatsächlich dann auch vermehrt konsumiert würden: "Dass es sie gibt, heißt noch lange nicht, dass sie alle konsumiert werden. Manche probieren damit nur kurz herum."

In Österreich regelt seit dem Jahr 2012 das "Neue Psychoaktive Substanzen-Gesetz" (NPSG) den Umgang mit dem Phänomen: Es erfasst ganze chemische Klassen, zielt nicht auf die Konsumenten, sondern auf Produktion, Handel und Vertrieb.

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