"Entlastet Mariendistel die Leber nach Alkoholkonsum?"

Eine lila Blüte einer Distel mit spitzen Blättern.
Viele hoffen, sich mit Extrakten vor Leberschäden präventiv schützen zu können.

Genuss ohne Reue - das wünschen wir uns nicht nur mit Blick auf den von den von Festmahlen expandierenden Körper, sondern auch jedes Mal, wenn sich der zu hohe Alkoholkonsum am Folgetag mal wieder bemerkbar macht.

Alkoholkonsum belastet die Leber. Doch vielleicht gibt es Hilfe: Vor Leberbeschwerden, etwa durch ausgiebiges Feiern und zu viel Alkohol während der Feiertage, soll ein Extrakt der Mariendistel schützen. Die Public-Health-Experten des Info-Service-Portals "medizin transparent" an der Donau-Universität Krems haben die Faktenlage geprüft.

Alkohol-bedingte Leberleiden reichen von der sogenannten Fettleber über eine Leberentzündung (Alkohol-Hepatitis) bis hin zur Leberzirrhose und damit der Notwendigkeit einer Lebertransplantation. Eine allgemein anerkannte Therapie zur Behandlung dieser Erkrankungen existiert nicht.

Alkoholbedingte Leberschäden ausgleichen?

Die einigermaßen bekannte Mariendistel war tatsächlich schon Gegenstand einiger Studien: Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration fasst Studien zur Wirksamkeit der Mariendistel bei Leberschäden durch Alkohol oder Hepatitis-B und -C Viren zusammen.

In insgesamt 13 sogenannten randomisiert-kontrollierten Studien konnten die Cochrane-Wissenschaftler keinen Hinweis auf einen medizinischen Vorteil der Mariendistel erkennen. Weder schien Mariendistelextrakt die Leber-Patienten vor einem verfrühten Tod zu bewahren, noch traten seltener Begleiterkrankungen aufgrund des Leberleidens auf.

Immerhin schienen Nebenwirkungen durch die Einnahme von Mariendistelextrakt nicht vermehrt aufzutreten. In anderen Quellen werden bei höherer Dosierung Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall, aber keine schwerwiegenden Nebenwirkungen erwähnt.

Mariendistel schützt bei Vergiftung mit Knollenblätterpilz

Eine erwiesenermaßen sinnvolle Anwendung gibt es bei der Vergiftung mit manchen Knollenblätterpilzen durch das Pilzgift Amatoxin. Diese ist auch bei menschlichen Patienten relativ gut untersucht. Demzufolge senkt das im Extrakt der Mariendistel enthaltene Silibinin deutlich die Wahrscheinlichkeit an einer Amatoxin-Vergiftung zu sterben.

In einer Sache stimmen jedoch Ärzte und Wissenschaftler überein: Liegt bereits eine Erkrankung der Leber vor, ist Alkoholverzicht die wichtigste aller Maßnahmen. Ein Trinkstopp kann das Fortschreiten der Lebererkrankung deutlich bremsen.

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