Wissen und Gesundheit
27.08.2017

Kodiak-Bären fressen lieber Beeren statt Lachs

Die Bären auf der Kodiak-Insel fangen immer weniger Lachse. Stattdessen fressen sie lieber Beeren.

Bilder wie oben könnte es in Zukunft nicht mehr geben - Eine Untersuchung ergab, dass die Bären auf Kodiak Island vor Alaska immer weniger Lachse fangen. Den Wissenschaftlern der Oregon State University, University of Montana's Flathead Lake Biological Station und des Kodiak National Wildlife Refuge war bereits 2014 aufgefallen, dass in der Nähe von Flüssen von Bächen keine Bären zu sehen waren - und das, obwohl die Gewässer voller Lachse waren.

In den darauf folgenden Jahren wiederholte sich dieses Schauspiel. "In den Jahren zuvor haben wir Ströme mit tausenden von halb zerkleinerten Lachs-Kadavern gefunden", sagte Will Deacy vom OSU's College of Agricultural Sciences und leitender Autor der Studie. Die Bären hatten die Überreste der gefangenen und gefressenen Fische in und neben den Gewässern zurückgelassen. Ab 2014 änderte sich das Bild . Anstelle der zerstückelten Überreste trieben ganze tote Lachse in den Flüssen. Die Fische waren nach dem Laichen gestorben statt von Bären getötet zu werden. Anstatt Lachse aus den Flüssen zu fangen waren die Bären auf den Hängen der Insel, wo sie damit beschäftigt waren, rote Holunderbeeren statt Fisch zu fressen.

Umgestellte Ernährung

Die Ernährung der Bären variiert über das Jahr verteilt, Beeren und Fisch sind aber ihre Hauptnahrungsmittel. Der Überfluss an Beeren und Lachsen sei laut Jack Stanford, dem ehemaligen Direktor der University of Montana's Flathead Lake Biological Station, der Hauptgrund, weshalb auf Kodiak so viele Bären leben und auch, wieso diese größer als viele andere Bärenarten seien. Normalerweise fressen sie sich über den Sommer mit Fischen voll und gehen im Herbst zu Beeren über, die normalerweise zum Ende der Lachs-Saison Ende August bis Anfrang September reif werden. Aufgrund der warmen Frühlingstemperaturen auf Kodiak reifen die Früchte seit einigen Jahren aber Wochen früher als sonst, wodurch sich die Beeren-Zeit mit der Hochaison der Lachs-Wanderungen überschneidet. Die Hollunderbären direkt vom Strauch zu fressen erfordert weniger Aufwand als Fische zu fangen, weshalb die Bären ihre Ernährung schon früher Richtung Beeren umstellen.

Eine Folge des Klimawandels

2014 war eines der wärmsten Jahre auf der Kodiak-Insel seit Beginn der Aufzeichungen vor 60 Jahren. Obwohl angenommen wurde, dass der Klimatrend auf der Insel nicht so eindeutig sein werde, zeigte sich in den vergangenen Jahren eine stetige Erwärmung.

Die Überlappung der Beeren-Zeit mit der Lachs-Saison als Folge des Klimawandels stellt eine Unterbrechung des "food web", also des Nahrungsnetzes, dar. Durch diese Überschneidung müssen sich die Bären nun zwischen Obst und Fisch entscheiden. Jonny Armstrong, ein Ökologe an der OSU, meinte, dass dies große Auswirkungen haben werde, welche aber schwer vorherzusagen seien. Beispielsweise könnten Vögel davon betroffen sein, die auf die von Bären gefangenen Lachse angewiesen sind. Außerdem könnten die Bären als Folge ihrer umgestellten Ernährung abwandern und die Population der Lachse sich verändern.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung wurden diese Woche im Magazin Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.