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09.04.2018

Jungtiere nicht zu früh von der Mutter trennen

© Bild: Getty Images/iStockphoto/2002lubava1981/iStockphoto

Werden Babys zu früh von der Mutter getrennt, kann sich das auf ihre körperliche und geistige Gesundheit auswirken.

Die Natur meint es gut mit Jungtieren und sorgt für einen Babyboom im Frühjahr. Sie verschafft dem Nachwuchs damit genügend Zeit, hochzukommen und bis zum Winter eine gewisse Selbstständigkeit zu erlangen.

„Auch bei Haustieren ist der Sexualtrieb noch nach Jahreszeiten gesteuert“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, wann Hunde und Katzen bereit sind für Stammhalter, und wann diese von den Eltern getrennt werden dürfen.

Körperliche und psychische Gesundheit

Hündinnen sind in der Regel zwei Mal pro Jahr paarungswillig, Katzen können mehrmals pro Saison werfen. „In freier Wildbahn bleiben die Welpen länger bei ihrer Mutter, in der Zucht sind mindestens acht Wochen vorgeschrieben“, sagt Reitl. In den ersten beiden Lebensmonaten ist Muttermilch das wichtigste Nahrungsmittel. Solange die Babys gesäugt werden, sind sie vor Krankheiten geschützt. Die mitgelieferten Immunglobuline stärken ihre Abwehrkräfte. Eine frühzeitige Trennung würde die körperliche und psychische Gesundheit der Jungen gefährden. Wie eine Studie kürzlich zeigte, waren Kätzchen, die mit 14 bzw. 15 Wochen entwöhnt wurden, im Schnitt zahmer und weniger verhaltensauffällig als Babys, die vor der zwölften Lebenswoche aus dem tierischen Familienverband gerissen wurden.

Prägephase

Die Prägephase ist die beste Zeit, die Heranwachsenden an den Mensch als Bezugsperson zu gewöhnen. Sie beginnt im dritten Lebensmonat. „Bis zum vierten Lebensmonat ist das Urvertrauen noch groß, die Kleinen sind Neuem gegenüber aufgeschlossen“, betont die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn.

Fremdelphase

In der folgenden Fremdelphase – kurz vor der Geschlechtsreife rund um das sechste Lebensmonat – wird es wieder schwieriger, den Schützling an ein neues Zuhause zu binden. Die Jungtiere wollen auf eigenen Pfoten stehen und tapsen vorsichtig in die Unabhängigkeit. „Bei einem Welpen hat man den Anschluss oft innerhalb eines Tages, bei älteren Vierbeinern dauert es wesentlich länger“, sagt Reitl. Die Tiere haben sich dann bereits in ihrem Leben eingerichtet: Hunde aus dem Zwinger können zunächst von den vielen Reizen in der Stadt bzw. in den neuen vier Wänden überfordert sein, Katzen mit Freigang fühlen sich in der Wohnung mitunter eingesperrt. Der KURIER-Tiercoach fasst zusammen: „Die Trennung sollte nicht zu früh, aber auch nicht zu spät erfolgen.“

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