Acht Prozent der Jugendlichen haben einen problematischen Internet-Gebrauch

© dapd/Patrick Sinkel

Umfrage
09/28/2016

Internet-Sucht: Wie viele Jugendliche gefährdet sind

Tagung zum Thema Jugend und Sucht in Innsbruck: "Cannabis doch nicht so harmlos, wie es teilweise kommuniziert wurde"

Acht Prozent der Schülerinnen und Schüler haben einen problematischen Internet-Gebrauch, bei mehr als drei Prozent sprechen die Medizinerinnen und Mediziner von Internet-Sucht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 400 Schüllerinnen und Schüler aus Tirol, hieß es Mittwoch in einer Aussendung der "tirol kliniken" und der Medizinischen Universität Innsbruck. Anlass ist eine Tagung der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Innsbruck zu dem Thema "Jugendliche und Sucht".

Die sogenannten "nicht stoffgebundenen Süchte" (z.B. Handy, Internet) seien im Zunehmen begriffen. Bei den "stoffgebundenen Süchten" - also den Drogen - gehe die Entwicklung weg von klassischen Suchtgiften hin zu synthetischen, psychoaktiven Substanzen aus dem Labor. Einzig Alkohol und Tabak würden weiterhin "als Konstante in der Statistik" erhalten bleiben.

Die Häufigkeit des Konsums unterschiedlicher Substanzen unter Jugendlichen:

- Alkohol, schädlicher Konsum: ca. 10 %

- Alkoholabhängigkeit: ca. 2,5 %

- Nikotinabhängigkeit: ca. 30 %

- Cannabisabhängigkeit: 2,2 %

- Missbrauch bzw. Abhängigkeit von illegalen Drogen: 6 %

Cannabis-Wirkung unterschätzt

Der Konsum psychoaktiver Substanzen habe "eindeutig negative Auswirkungen auf Entwicklungsstörungen, intrapsychische und interpersonelle Konflikte sowie soziale Probleme". Für Jugendliche könne der Cannabis-Konsum ein größeres Risiko darstellen als bisher angenommen: "In den letzten Jahren hat die Forschung gezeigt, dass Cannabis doch nicht so harmlos ist, wie es teilweise kommuniziert wurde." Das stellte die Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kathrin Sevecke, in der Aussendung fest.

"Unterschätzt wurde die Wirkung auf die Hirnreifung bei Jugendlichen sowie als Einstiegsdroge", sagt Sevecke. "Wobei wir hier nicht nur den Einstieg in die Drogensucht meinen, sondern auch den Einstieg in ernstzunehmende psychische Erkrankungen."

"Gleiche Entzugssymptome"

Bei den stoffgebundenen Süchten gebe es mittlerweile eigene, auf Jugendliche zugeschnittene Entzugsprogramme. Intensiv beforscht wurde in den vergangenen Jahren aber auch das Phänomen der Mobiltelefon- oder der Internetsucht. Martin Fuchs, stv. Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie: "Beeindruckend ist, dass Jugendliche beim Entzug vom Smartphone ähnliche bis gleiche Entzugssymptome zeigen wie beim Entzung von klassischen Drogen. Das kann bis zur körperlichen Gewalttätigkeit gehen."

Was Eltern tun können

Die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme sei, Kinder und Jugendliche zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen. "Natürlich klingt das einfacher, als es ist", sagt Sevecke, "aber vor allem bei neuen Medien ist es wichtig, die Psyche des Kindes für einen verantwortungsvollen Medienkonsum zu schulen. Strafen oder Verbote helfen hier wenig. Meist haben sie sogar gegenteilige Wirkung."

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