Wissen 12.01.2012

Im Fall des Notfalls lieber ins Spital

Eine Befragung von 1400 Burgenländern zeigt Vor- und Nachteile von Spitalsambulanzen und niedergelassenen Ärzten auf.

Manche Spitalsambulanzen im Burgenland quellen regelrecht über, was für die Patienten lange Wartezeiten zur Folge hat. Warum Spitalsambulanzen den niedergelassenen Ärzten dennoch oft vorgezogen werden, hat Sozialwissenschaftler Peter Filzmaier im Rahmen des "Gesundheitsbarometers Burgenland" versucht, herauszubekommen. 1400 Burgenländer (über 16 Jahre) wurden von Filzmaiers Institut für Strategieanalysen (IAS) unter anderem dazu befragt.

34 Prozent gaben an, im Fall eines Notfalles lieber eine Ambulanz aufzusuchen als die Praxis des Haus- oder Facharztes. 19 Prozent vertrauen auf die "höhere Kompetenz" in Ambulanzen. "Und immerhin knapp ein Fünftel gibt die Öffnungszeiten als Grund für das Aufsuchen einer Spitalsambulanz an", erläutert Filzmaier.

Im direkten Vergleich schneiden die Ambulanzen gegenüber den niedergelassenen Ärzten bei den Befragten in puncto technischer Ausstattung (73 zu 5 Prozent), längerer bzw. günstigerer Öffnungszeiten (65 zu 12 Prozent) oder "medizinisch am neuesten Stand" (56 zu 7) wesentlich besser ab. Haus- und Fachärzte hängen Ambulanzen dagegen bei folgenden Bereichen ab: Kurze Wartezeiten (42 zu 12 Prozent), Zeit für Patienten (59 zu 5) und angenehme Atmosphäre (65 zu 3).

Die persönliche Entscheidung der Patienten, wohin sie sich wenden, haben nicht unerhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen. "Eine Ambulanz mit ihrem 24 Stunden Verfügbarsein verursacht natürlich enorme Kosten", betont Hannes Frech, Geschäftsführer der burgenländischen Krankenanstaltengesellschaft Krages. Man führe daher laufend Gespräche mit der Ärztekammer und den Sozialversicherungsträgern, "um Aufgaben optimal zu verteilen". Das Ziel sei klar: "Der niedergelassene Bereich muss mit Spitalsambulanzen stärker verschränkt werden."

Gute Noten

Im Großen und Ganzen stellen die Burgenländer dem Gesundheitssystem aber Bestnoten aus. Es gebe "eine wirklich breite Zufriedenheit", freut sich der zuständige Landesrat Peter Rezar, SPÖ: 55 Prozent sind mit der Gesundheitsversorgung "sehr", 34 Prozent "etwas" zufrieden. Außerdem sind die Burgenländer optimistisch, was die Zukunft der Versorgung betrifft. "Der bundespolitische Einfluss – Stichwort: Spardebatte – konnte im Burgenland abgefangen werden", erläutert Filzmaier. In Zeiten des Sparens sei es "Aufgabe der Politik, detailliert zu informieren, um keine Ängste zu wecken."

( Kurier ) Erstellt am 12.01.2012