Kein Grund zur Panik, so weh tut es nicht: Die Impfungen werden über Schulärzte, niedergelassene Ärzte und öffentliche Impfstellen angeboten

© epa/Mick_Tsikas

Info-Kampagne
09/10/2014

HPV: Jetzt startet die Gratis-Kinderimpfung

Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs: Ab sofort für alle Neun- bis Zwölfjährigen kostenlos.

Jetzt geht es mit der HPV-Impfung zum Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs bei Frauen und vielen anderen Karzinomformen, die auch Männer betreffen in Österreich los. Für die neun- bis zwölfjährigen Buben und Mädchen ist die zweiteilige Immunisierung kostenlos, für die Zwölf- bis 15-Jährigen ist je nach Bundesland ein Beitrag zwischen etwa 40 und 50 Euro je Vakzin-Dosis zu leisten.

Das Programm wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Krebshilfe in Wien präsentiert. Das Wichtigste: Nach Diskussionen seit 2006 wird die HPV-Impfung praktisch in das kostenlose Kinderimpfprogramm übernommen. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) bezeichnete das als „großen Schritt“, der über die Sicherstellung der Finanzierung ihrem Vorgänger, Alois Stöger (SPÖ), gelungen sei. Noch 2007 hatte die damalige Gesundheitsministerin und Ärztin Andrea Kdolsky (ÖVP) entgegen heftiger Expertenkritik noch an der Verursachung fast aller Gebärmutterhalskarzinome durch chronische HPV-Infektionen und an der Sicherheit der Vakzine gezweifelt.

Krebs durch Infektionen

Damit ist es nun auch in Österreich eindeutig vorbei. Gynäkologe und Präsident der Österreichischen Krebshilfe, Paul Sevelda: „Weltweit ist jede fünfte Krebserkrankung durch Infektionen bedingt.“ HPV mit Gebärmutterhalskarzinom, Anal-, HNO- und Vulva-Karzinomen sowie die chronische Hepatitis B (Leberzellkarzinom) seien hier zuvorderst zu nennen, so auch der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Karl Forstner.

An der Wirksamkeit und an der Verträglichkeit der Impfstoffe - die in Österreich verwendete Vakzine schützt gegen die HPV-Stämme 6, 11, 16 und 18 und somit gegen die gefährlichsten Krebs- und Genitalwarzen auslösenden Varianten - gibt es keinen Zweifel. „Die Impfstoffe wurden weltweit bereits 144 Millionen Mal verwendet. Es gibt keine einzige nachgewiesene schwerwiegende oder tödliche Nebenwirkung“, sagte Sevelda.

Erfolg in Australien

Durch die Impfung ist in Australien unter den Geimpften die Häufigkeit von Genitalwarzen auf zehn Prozent des Ausgangswertes zurückgegangen. Die Häufigkeit von Zervixkarzinom-Vorstufen halbierte sich. „Wir gehen davon aus, dass pro Jahr in Österreich 5.000 bis 6.000 gynäkologische Eingriffe (Konisation; Anm.) wegen solcher schweren Dysplasien (Zellveränderungen in Richtung Krebs; Anm.) bei Frauen durchgeführt werden“, so der Experte.

Insgesamt, so Sevelda und Sabine Oberhauser, sie ist von Beruf Kinderärztin, beschreitet Österreich mit der Gratis-Impfung für Buben und Mädchen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren international einen pionierhaften Weg. Männer fungieren über sexuelle Kontakte nämlich als Überträger für HPV. Mit einer entsprechenden Durchimpfungsrate könnte sich also mit der Zeit ein „Herdenschutz“ ergeben, bei dem durch Zurückdrängung der Infektionen auch nicht Immunisierte geschützt werden.

Wie das Impfprogramm abläuft

Und so sollen die Impfungen in Österreich ablaufen: In den Schulen gibt es in der vierten Klasse Volksschule eine Informationskampagne für Kinder und Eltern. Die Impfungen werden über die Schulärzte angeboten, je nach Bundesland gibt es auch die Möglichkeit, sich bei niedergelassenen Ärzten etc. immunisieren zu lassen. Für die Zwölf- bis 15-Jährigen gibt es - wiederum je nach Bundesland - die Möglichkeit zur Impfung bei niedergelassenen Ärzten oder öffentlichen Impfstellen. Hier wird allerdings Kostenbeitrag je Teilimpfung (bis zum 15. Lebensjahr zwei, später drei) eingehoben. Er beträgt etwa 40 bis etwa 50 Euro. Sonst kostet eine Vakzindosis privat 170 bis 200 Euro.

Das Gesundheitsministerium wendet in diesem Jahr rund 20 Millionen Euro für das Gratis-Kinderimpfprogramm auf (zwei Drittel der Kosten). Den Rest teilen sich Bundesländer und Sozialversicherung.

Alle Informationen zur HPV-Impfung gibt es in einer Broschüre von Gesundheits- und Bildungs-/Fraueniministerium, Österreichischer Krebshilfe, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Gesundheitsministerium; im Internet - http://www.krebshilfe.net

Viele Jahre haben in Österreich die Diskussionen rund um die prophylaktische Impfung gegen Human Papilloma Viren (HPV) gedauert. In diesem Jahr ist die Immunisierung in das kostenfreie Impfprogramm für Mädchen und Buben aufgenommen worden. Mit der Berücksichtigung aller Neun- bis Zwölfjährigen ist Österreich dabei nunmehr ein Vorreiter in Europa. Hier Daten und Fakten:
Humane Papillomaviren sind kleine, DNA-Viren, welche die Epithelzellen der Haut und Schleimhaut infizieren können. HPV-Infektionen des Genitaltrakts sind die häufigsten sexuell übertragenen Virusinfektionen weltweit. 40 der mittlerweile 170 identifizierten HPV-Typen können Infektionen in der Ano-Genitalregion hervorrufen. Die HPV-Infektionen sind zumeist nur vorübergehend und ohne Symptome, stellten vor kurzem die Experten des Departments für Virologie der MedUni Wien fest.

Vielfältige Risiken

Allerdings, anhaltende Infektionen sind mit der Entstehung von gutartigen und bösartigen Gewebeveränderungen assoziiert. Zu letzteren gehören Genitalwarzen, zu ersteren Karzinome im Genitalbereich (Gebärmutterhals-/Zervixkarzinome) oder beispielsweise auch im HNO-Bereich. Sogenannte High Risk-Typen von HPV sind für fast alle Gebärmutterhalskarzinome verantwortlich. Allein die HPV-Typen 16 und 18 verursachen 70 Prozent dieser Karzinome

Die Wiener Experten: „Das Zervixkarzinom ist nach dem Mammakarzinom (weltweit; Anm.) das zweithäufigste Malignom bei Frauen: In der EU werden jährlich rund 33.000 Fälle von Zervixkarzinomen verzeichnet und etwa 15.000 dadurch bedingte Todesfälle registriert.“ Zwar gibt es für diese Krebserkrankung mit jährlich durchzuführenden Krebsabstrichen eine gute Früherkennungsmethode, doch eine Prävention von Anfang an stellt das nicht dar.

700 vermeidbare Krebsfälle

In Österreich gibt es laut Schätzungen jährlich 700 vermeidbare Krebsfälle, die durch HPV ausgelöst werden. Dazu kommen 3.000 verhinderbare Operationen wegen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals sowie 15.000 Fälle an Genitalwarzen. Zwischen 50.000 und 60.000 Frauen in Österreich bekommen pro Jahr nach einem Krebsabstrich beim Gynäkologen einen verdächtigen Befund, was Vorstufen zu Gebärmutterhalskrebs oder eine eventuelle Erkrankung betrifft. Das könnte durch die Impfung deutlich verringert werden.

Derzeit sind drei HPV-Impfstoffe zugelassen: Sie schützen gegen zwei (HPV 16, 18) oder vier Virus-Typen (16, 18, 6, 11). Die beiden Vakzine mit dem breiteren Spektrum sollen auch Genitalwarzen verhindern. Die Impfstoffe bestehen aus DNA-freien virusähnlichen Partikeln („virus like particles“ VLPs), die das gentechnisch hergestellte Protein L1 enthalten, welches einen Teil der Hülle rund um die Viruserbsubstanz bildet. Das führt zu einer Abwehrreaktion gegen die Viren.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind in groß angelegten Studien erprobt worden. Sie sind laut den Wiener Virologen „sicher, gut verträglich und hoch immunogen“.

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