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11/25/2013

HPV-Impfstoff: Vier Frauen klagen Hersteller

Sie machen das Mittel für schwere Erkrankungen verantwortlich

Nach der Klage einer 18-Jährigen wegen des Impfstoffs gegen Gebärmutterhalskrebs Gardasil haben Anwälte in Paris mindestens drei weitere Klagen angekündigt. Drei junge Frauen würden binnen zwei Wochen unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung und irreführender Werbung gegen das Pharmaunternehmen Sanofi Pasteur vor Gericht ziehen, kündigte Anwältin Camille Kouchner an.

Umstritten

Die 18-Jährige, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, hatte wegen mutmaßlicher schwerer Nebenwirkungen des Impfstoffs geklagt. Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs sind seit Jahren wegen möglicher Nebenwirkungen umstritten. In Frankreich haben Patientinnen bereits regionale Kommissionen für die Entschädigung von Arzneimittel-Unfällen angerufen. Eine Parlamentskommission empfahl im März 2012 weitergehende Untersuchungen dazu. Im Fall der 18-Jährigen hatte einem Bericht der Regionalzeitung „Sud Ouest“ zufolge ein Gutachten der regionalen Entschädigungskommission der südwestfranzösischen Region Aquitanien einen „Kausalzusammenhang“ zwischen den beiden Impfungen und der Erkrankung des Mädchens festgestellt. Die drei anderen jungen Frauen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, die nun ebenfalls klagen wollen, leiden unter Hidradenitis - eine chronischen Hautkrankheit - und an der Muskelerkrankung Polymyositis.

Noch mehr Klagen?

Nach Angaben der Anwälte der drei jungen Frauen könnten noch mehr Klagen auf das Pharmaunternehmen Sanofi Pasteur MSD zukommen, denn mehr und mehr Mädchen würden sich melden. Dies könnte sich zu einem „neuen Arzneimittelskandal“ auswachsen, hoben die Anwälte hervor. Das Unternehmen hatte am Sonntag jeglichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und der Erkrankung der 18-Jährigen an Multipler Sklerose bestritten. Weltweit wurden HPV-Impfstoffe (von verschiedenen Herstellern) bereits mehr als 100 Millionen Mal verwendet. Auch zahlreiche Mediziner - wie etwa Univ.-Prof. Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe - halten die Impfung für sicher. Es gebe keine bedrohlichen Nebenwirkungen

700 Krebsfälle verhindern

Laut einer Schätzung der Österreichischen Krebshilfe könnten durch die HPV-Impfung neben tausenden Krebsvorstufen rund 700 Krebsfälle vermieden werden, dazu kommen 3.000 verhinderbare Operationen wegen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals sowie 15.000 Fälle an Genitalwarzen. Derzeit liegt die Durchimpfungsrate allerdings - nicht zuletzt wegen des recht teuren Impfstoffes - nur bei zwei Prozent. In Schottland oder auch Ruanda sind hingegen bereis mehr als 90 Prozent der Menschen gegen HPV immunisiert. Ab Februar 2014 können sich aber Kinder ab dem vollendeten neunten Lebensjahr mit Februar 2014 im Rahmen des Schulimpfprogrammes in der vierten Klasse Volksschule gratis gegen HPV (Humane Papilloma-Viren) immunisieren lassen.

Sexualkontakte

Humane Papillomviren werden über die Haut bzw. die Schleimhäute vorwiegend bei Sexualkontakten übertragen. Man rechnet damit, dass sich mehr als 70 Prozent aller Menschen im Lauf ihres Lebens mit dem Virus infizieren, in den meisten Fällen ohne Krankheitssymptome. Einige der über 100 HPV-Typen können allerdings zu Krebs führen - in erster Linie zu Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, aber auch zu Tumoren im Mund-Rachen-Bereich bei beiden Geschlechtern.
Zwischen 50.000 und 60.000 Frauen in Österreich bekommen pro Jahr nach einem Krebsabstrich beim Gynäkologen einen verdächtigen Befund, was Vorstufen zu Gebärmutterhalskrebs oder eine eventuelle Erkrankung betrifft. Das könnte durch die Impfung deutlich verringert werden.

Zuletzt wurden positive Auswirkungen der Immunisierung in Dänemark dokumentiert, wo mittlerweile mehr als 90 Prozent der jungen Frauen gegen das Human Papilloma Virus (HPV) geimpft sind. Binnen drei Jahren - von 2008 auf 2011 - sank bereits die Zahl der ebenfalls durch das Virus hervorgerufenen Genitalwarzen-Fälle bei Frauen drastisch. „Wir beginnen die Wirkung der HPV-Impfung auf Ebene der Bevölkerung zu sehen“, erklärte die dänische Expertin Susanne Kjaer, die sich seit vielen Jahren mit dem Problem beschäftigt.

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