Prinz William hatte Anfang des Jahres noch als Rettungspilot viel zu tun, dann kam Söhnchen George zur Welt - daher nur 46 Arbeitstage, die royale Pflichten betreffen. Außerdem arbeiten Oma und Papa eh fleißig.

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Royale Schwangerschaft
09/09/2014

Herzogin Kate ist wieder extrem übel

Schwangerschaftsübelkeit: Zwei Prozent der Frauen trifft es so schlimm wie Kate

So groß die Freude über den weiteren Nachwuchs von Prinz William und Herzogin Kate ist - für Kate gibt es so wie bereits bei der ersten Schwangerschaft wieder einen großen Wermutstropfen: Ihre extreme Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum), die in der Regel in den ersten drei Monaten auftritt (Kate soll in der zwölften Woche sein). Betroffene Frauen leiden unter starker Übelkeit und Erbrechen, sie fühlen sich extrem schlapp und benommen; in einigen Fällen müssen sie ins Krankenhaus, um zu verhindern, dass ihr Körper völlig austrocknet. Kate wird derzeit aber noch zuhause im Kensington Palace von ihren Ärzten behandelt.

"Es gibt keinen Grund zur Sorge, aber man darf die Sache natürlich auch nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagt der deutsche Gynäkologe Prof. Andreas Ebert. Bis zu 90 Prozent der Schwangeren leiden unter der typischen Übelkeit. "Oft am Morgen, und die Beschwerden hören nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel wieder auf, wenn der Körper sich auf die neue Hormonsituation eingestellt hat." 15 bis 20 Prozent der betroffenen Frauen quäle jedoch die komplette Schwangerschaft hindurch die Übelkeit, etwa zwei Prozent trifft es in den ersten Monaten so schlimm wie Kate.

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Körper wird geschwächt

"Wenn man sich möglicherweise bis zu zehnmal am Tag übergeben muss, schwächt das den Körper und führt in erster Linie zur Entwässerung", sagt Ebert. Vor allem bei sehr schlanken Frauen käme es häufiger zu diesen starken Übelkeitsbeschwerden. "Ihr Körper kommt offenbar nicht so gut mit den Hormonumstellungen zurecht, und sie haben weniger zuzusetzen."

"In der zweiten Schwangerschaft tritt diese Übelkeit mit derselben Wahrscheinlichkeit auf wie in der ersten", sagt der Gynäkologe Daghni Rajasingam vom St. Thomas Hospital in Lonon gegenüber WebMD Health News. "Sie tritt in der Regel in derselben Intensität auf. Ist sie bei erstem Mal mild, so ist sie auch beim zweiten Mal mild."

Wichtig ist ein ausreichender Flüssigkeitsersatz, betont Rajasingam. Trinkt eine Schwangere nicht genug, kann ein intravenöser Flüssigkeitsersatz im Spital notwendig sein. Auch Tabletten gegen Übelkeit können genommen werden: "Sie sind sehr sicher auch in der Schwangerschaft."

Gewichtsverlust

Aber wo ist die Grenze zwischen „normaler“ und gravierender Schwangerschaftsübelkeit? Für den Gynäkologen Prim. Christian Marth ist der Gewichtsverlust ein ganz wichtiger Faktor. „Glücklicherweise kommt das aber eher selten vor. Die Frau sollte dann aber auf jeden Fall in stationäre Betreuung.“ Durch das viele Erbrechen geraten Wasser- und Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht. „Das bringt auch die Blutsalze durcheinander.“ Bei Nichtbehandlung kann dies lebensbedrohlich sein. „Diese Störungen müssen unbedingt ausgeglichen werden“, betont Marth. Neben Nährstofflösungen werden auch Medikamente, die den Brechreiz unterdrücken, in den Infusionen verabreicht. Vitamin-B-Präparate lindern die Beschwerden ebenfalls. Nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel hören Übelkeit und Brechreiz bei den meisten Frauen wieder auf.

Ursachen unklar

Die genauen Mechanismen von sind aber noch immer unbekannt: „Es wird eine Vielzahl von Möglichkeiten diskutiert.“ Bekannt ist bereits der Zusammenhang mit dem Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin), von dem der Körper bis zur 14. Woche viel produziert. Marth: „Wir wissen, dass ein hoher hCG-Spiegel diese Beschwerden eher auslöst als ein niedriger.“ Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft reduziert sich die hCG-Produktion zugunsten des zweiten Schwangerschaftshormons Progesteron, das u. a. für die Ausbildung der Milchdrüsen zuständig ist.
Neben den Schwangerschaftshormonen kann auch eine Überfunktion der Schilddrüse die quälende, meist wochenlang anhaltende Übelkeit begünstigen. Auch psychosomatische Auslöser wie Stress oder emotionale Belastungen gelten als häufig. Auch Essstörungen wie Bulimie oder Fettleibigkeit sind Risikofaktoren.

Dass die britische Herzogin Katherine nun wegen ihrer allzu schlanken Figur an starkem Erbrechen leide, wäre dennoch zu kurz gegriffen. „Extreme Schlankheit ist kein alleiniges Kriterium für diese Beschwerden. Meist findet man keine richtige Ursache“, betont Marth.

Kraft der Hypnose

Schwangerschaftsübelkeit ist kein Schicksal, das einfach hingenommen werden muss.Herzogin Kate, die schwangere Frau vonPrinz William, schlägt nun alternative Wege ein, um ihreAppetitlosigkeit und Übelkeit in den Griff zu bekommen: Sie lässt sich hypnotisieren. Eine Praxis, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut, wie Univ.-Prof. Henriette Walter vomUniversitätslehrgang Medizinische Hypnosean der MedUni Wien erklärt: „Kate wird wahrscheinlich nicht nur die Übelkeit mit Hypnose bearbeiten, sondern sich damit auch auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten. Das wird bei uns schon länger gerne so praktiziert.“

Narrenkastl

Entgegen vieler Vorurteile ist man bei einer Hypnose nicht bewusstlos oder in einem Schlafzustand. „Es braucht ein aktives Verhalten des Patienten, seine Aufmerksamkeit, Fantasie und Vorstellungskraft.“ Walter vergleicht den Zustand mit „ins Narrenkastl schauen“ – man weiß, man könnte wegschauen, aber man will nicht. „Das Gehirn ist aktiv, aber entspannt sich gleichzeitig.“ In einen ähnlichen Trancezustand kann man etwa beim Joggen oder bei einer langen Autofahrt verfallen: „Man ist plötzlich am Ziel und hat das Gefühl, die Zeit ist regelrecht verflogen. Der Geist war in Trance, aber die körperlichen Automatismen funktionieren ganz normal weiter“, erklärt die Hypnose-Expertin.

Studien

Inzwischen belegen etliche Studien die Wirkung von Hypnose: Die Universität Tübingen hat kürzlich gezeigt, dass Hypnotherapie beim Abnehmen helfen kann. Den Forschern zufolge hat die Methode übergewichtige Frauen besser unterstützt als eine Verhaltenstherapie – sie waren in Folge auch zufriedener.

An der Wiener Zahnklinik konnte man im Rahmen einer Studie nachweisen, dass Hypnose-CDs jenen Patienten helfen, die zuvor ein paar Live-Sitzungen bei einem Hypnotiseur hatten. „Wenn der Patient an den Hypnotiseur gewöhnt ist, hat seine CD dieselbe Wirkung auf Angst und körperliche Beschwerden. Ich kann ja nicht immer, wenn jemand Zahnschmerzen hat, in die Zahnklinik rennen“, erklärt Walter.

Generell wird bei der medizinischen Hypnose zwischen vier großen Bereichen unterschieden: Zum einen hilft sie bei der Bekämpfung von Schmerzen – in diese Kategorie fällt auch die Schwangerschaftsübelkeit. Zum anderen bringt sie etwas bei der Gewohnheitskontrolle – wenn Alkohol, Rauchen oder Übergewicht abgeschworen werden soll. Drittens wird Hypnose immer öfter bei medizinischen Untersuchungen eingesetzt – zum Beispiel, wenn ein Patient keine Narkotika verträgt und eine unangenehme Koloskopie oder Gastroskopie machen muss. Zu guter Letzt wird Hypnose in der Psychotherapie zur Bearbeitung von Ängsten genutzt.

Entgegen vieler Befürchtungen betont Walter: „Jemand, der hypnotisiert ist, tut nichts, was er nicht auch im Wachzustand tun würde. Es gibt immer die Möglichkeit, aufzustehen und zu gehen.“

Infos

Nähere Infos und Kontakt zu medizinischen Hypnotiseuren gibt es über die Österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche Hypnose: www.oegwh.at

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