Wissen
27.10.2018

Glyphosat: Planzenschutzmittel im Futternapf

Forscher testeten Hunde- und Katzenfutter und fanden in allen Produkten das umstrittene Herbizid.

Das umstrittene Herbizid Glyphosat ist auch im Tierfutter angekommen. Forscher haben das Unkrautvernichtungsmittel in gekauftem Hunde- und Katzenfutter nachgewiesen. Alle 18 getesteten Sorten enthielten Glyphosat – wenn auch größtenteils unterhalb der für Lebensmittel geltenden Grenzwerte. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Herbizid über pflanzliche Zutaten wie Getreide oder Ballaststoffe in das Tierfutter gelangt.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten gegen Unkräuter eingesetzte Herbizid – aber es ist hoch umstritten. Während die WHO das Mittel im Jahr 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte, sahen die EU-Behörden ECHA und EFSA dies anders. Im Herbst 2017 wurde EU-Zulassung trotz Kritik um weitere fünf Jahre verlängert.

Glyphosat in allen Proben

Forscher um Anthony Hay von der Cornell University in Ithaca nahmen jetzt Futterproben unter die Lupe. Für ihre Studie hatten sie in einer Zoohandlung und bei einem Großhändler 18 verschiedene Sorten Katzen- und Hundefutter gekauft und dieses auf Glyphosat analysiert.

Das Ergebnis: Alle getesteten Tierfutter enthielten Glyphosat. Die Konzentrationen variierten zwischen 80 Mikrogramm und zwei Milligramm pro Kilogramm. "Das Ausmaß der Glyphosatgehalte in dem Futter hat uns überrascht", sagt Hay. "Es ist schwer, ein Produkt zu finden, das gar kein Glyphosat enthält."

Belastung für Haustiere

"Wenn ein Mensch dieses Futter jeden Tag essen würde, läge seine Glyphosatbelastung noch immer unter den momentan als sicher geltenden Grenzwerten", erklärt Hay. In der EU gelten allerdings je nach Lebensmittel verschiedene Limits, für Weizen liegen sie bei zehn Milligramm pro Kilogramm Erntegut, für Reis bei 0,1 mg/kg. Wäre das Hunde- und Katzenfutter Reis, dürften demnach zumindest die am stärksten kontaminierten Sorten nicht von uns verzehrt werden.

Auswirkungen unbekannt

Da Hunde und Katzen deutlich weniger wiegen als ein Mensch, ist auch ihre Belastung höher. Welche Folgen niedrige, aber anhaltende Belastungen mit dem Herbizid für Hund und Katze haben, ist allerdings bislang kaum untersucht, wie die Forscher betonen. "Zwar scheint kein unmittelbares Risiko zu bestehen, aber über die chronischen Folgen niedriger Dosen herrscht noch Unsicherheit", sagt Hay.

Ballaststoffe als Quelle

In das Tierfutter hineingekommen ist das Herbizid wahrscheinlich durch den Anteil an Getreide und Gemüse in den Produkten. Je mehr Ballaststoffe ein Tierfutter enthielt, desto höher war auch sein Glyphosatgehalt, wie die Wissenschaftler berichten. "Wir wissen, dass Glyphosat nur für den Einsatz auf Nutzpflanzen zugelassen ist und dass es sich nicht in Tieren anreichert", sagt Hay. "Daher stammt die Kontamination höchstwahrscheinlich nicht aus dem Fleischanteil. "Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass es aus dem Pflanzenmaterial kommt."