Scheidungskinder haben später weniger Kinder
Die Trennung der eigenen Eltern hat Einfluss auf die Zahl der Kinder.
Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, haben im späteren Leben im Durchschnitt weniger eigene Nachkommen als Kinder aus dauerhaft verheirateten Familien. Das zeigt eine neue Studie auf Basis umfangreicher Daten zu in den 1970er‑Jahren geborenen Kohorten in den Niederlanden. Ein möglicher zentraler Erklärungsfaktor ist, dass Scheidungskinder als Erwachsene tendenziell kürzere Partnerschaften eingehen.
Um alternative Erklärungen wie die sozioökonomische Situation der Eltern oder kulturelle Einflüsse zu berücksichtigen, kontrollierten die Autorinnen und Autoren zahlreiche Störfaktoren statistisch. Dabei zeigte sich: Männer, deren Eltern sich scheiden ließen, blieben um 6,1 Prozentpunkte häufiger kinderlos, Frauen um 2,3 Prozentpunkte häufiger als Personen aus stabilen Ehen.
Größerer Effekt bei Männern
Die durchschnittliche Kinderzahl im Lebensverlauf sank infolge der elterlichen Scheidung bei Männern um 0,187 Kinder (rund 13 Prozent), bei Frauen um 0,093 Kinder (etwa 5 Prozent). Insgesamt fielen die Effekte bei Männern damit mehr als doppelt so stark aus. Zudem waren sie in früheren Geburtskohorten ausgeprägter als in späteren, insbesondere bei Frauen. Beim Alter der Kinder zum Zeitpunkt der elterlichen Scheidung fanden sich Effekte nur bei Frauen: Je älter sie damals waren, desto stärker war später der Rückgang der eigenen Kinderzahl.
„Trennungen verlaufen höchst unterschiedlich und sind in unterschiedlichem Ausmaß konfliktreich. Teilweise und im Zeitverlauf zunehmend gibt es Patchworkfamilien mit guter Kommunikation, teilweise destruktive dauerhafte Konflikte zwischen den Eltern. Daher kann man davon ausgehen, dass Trennungen nicht pauschal mit niedrigeren Kinderwünschen zusammenhängen. Es kommt darauf an, wie die Trennungen ablaufen: Bei den Auswirkungen auf den Kinderwunsch der Kinder sind die Art der Kommunikation der Familie nach der Trennung sowie der Kontakt zu beiden Elternteilen entscheidend“, sagt Martin Bujard, Professor für Medizinische Soziologie und Familiensoziologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
Nach Einschätzung der Forschenden könnten die Ergebnisse relevant für politische Strategien zur Steigerung der Geburtenrate sein. Diese könnten jedoch ins Leere laufen, wenn ein zentraler Grund für die geringere Fertilität von Scheidungskindern die kürzere Dauer ihrer eigenen Partnerschaften ist.
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