Was bringt ein Nasenpflaster im Sport?

Giovanni Franzoni am Siegersessel in Kitzbühel mit Winterjacke und Mütze lacht breit, auf seiner Nase klebt ein Pflaster.
Hahnenkamm-Sieger Giovanni Franzoni trug sichtbar ein kleines Pflaster auf der Nase. Bringen die Streifen wirklich mehr Leistung? Sportmediziner Piero Lercher erklärt, wann sie helfen und wo ihre Grenzen liegen.

Der Italiener Giovanni Franzoni rauschte am Samstag mit Startnummer zwei die Streif runter, nahm am Siegersessel platz und blieb. Dementsprechend oft wurde er am Bildschirm eingeblendet und mit ihm ein Pflaster, das prominent auf seiner Nase klebte. Der Sieger des Hahnenkammrennens ist damit kein Einzelfall. Nasenpflaster gehören im Spitzensport längst zum gewohnten Anblick. Immer wieder sieht man Athleten mit den kleinen Streifen auf dem Nasenrücken. 

Doch wie viel bringt das wirklich? KURIER hat bei Sportmediziner Piero Lercher nachgefragt, welchen Effekt ein solcher Streifen auf der Nase tatsächlich haben kann. 

KURIER: Welche physiologischen Vorteile bieten Nasenpflaster beim Sport? 

Piero Lercher: Nasenpflaster werden außen auf die Nase aufgeklebt und enthalten beispielsweise einen Kunststoffstreifen, der die Nasenflügel nach außen zieht. Dadurch kann mehr Luft und somit auch mehr Sauerstoff durch die Nase eingeatmet werden. Eine verbesserte Nasenatmung ist insbesondere bei Kälte wichtig, weil die Luft durch die längere Zirkulation im Nasen-Rachenraum gereinigt und vorgewärmt wird. Bei der Mundatmung kommt die kalte Luft direkt in die Atemwege, was die Wahrscheinlichkeit von Erkältungen und Erkrankungen der Atemwege erhöht. Wissenschaftliche Studien belegen, dass durch Nasenpflaster der Atemwiderstand bei der Nasenatmung deutlich reduziert wird. 

Für welche Sportarten oder Belastungsarten sind Nasenpflaster besonders geeignet? 

Hier gibt es keine speziellen Empfehlungen, denn sportliche Belastungen sind immer mit einer vermehrten Atemtätigkeit und einem erhöhten Sauerstoffbedarf verbunden.

Unabhängig vom Effekt bei Sport: Können Nasenpflaster bei Personen mit chronisch verstopfter Nase oder Nasenscheidewandverkrümmung oder auch bei Schlafapnoe helfen?

Hier gilt das Motto „Diagnose first“, also man muss unbedingt ärztlich untersuchen lassen, warum die Nasenatmung behindert ist. Chronisch verstopfte Nasen- Nebenhöhlen, Verkrümmungen der Nasenscheidewand und auch Schlafapnoe müssen unbedingt adäquat behandelt werden. Bei leichten Formen dieser Störungen können Nasenpflaster Abhilfe und Erleichterung schaffen. So kann beispielsweise beim Schlafen lästiges Schnarchen reduziert werden. 

Gibt es Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen Freizeit- und Leistungssportlern? 

Nein, denn ob man ein Leistungs- oder Freizeitsportler ist, hängt prinzipiell von der persönlichen Leistungsfähigkeit ab. So können vermeintliche Profisportler aufgrund eines falschen Trainings das Leistungsniveau eines Hobbysportlers aufweisen und der Weltklasse „hinterherlaufen“. 

Gibt es auch gesundheitliche Risiken oder Nebenwirkungen bei regelmäßiger Nutzung? 

Ein gesundheitliches Risiko ist bei korrekter Anwendung minimal, es können jedoch Pflasterallergien auftreten. 

Was muss man bei der Anwendung beachten? 

Wie bei jedem Produkt gibt es auch hier Qualitätsunterschiede und vor allem auch Unterschiede hinsichtlich der Passform. Die Anwendung soll am besten laut jeweiliger Bedienungsanleitung erfolgen.

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