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Wissen Gesundheit
11/03/2021

Herz-Kreislauf-Erkrankte sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Auch Personen, die „nur“ unter Bluthochdruck leiden, profitieren. Wer sich impfen lässt, verringert so sein Sterberisiko.

Die Influenza-Impfung wird Personen mit chronischen Erkrankungen seit Jahren dringend ans Herz gelegt. Menschen mit COPD oder Diabetes lassen sich auch deutlich öfter impfen als Menschen ohne diese Vorerkrankungen. Anders ist das bei jenen, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Hier liegt die Durchimpfungsrate nur einige Prozentpunkte über dem Schnitt. Dabei profitieren auch sie eindeutig von der Impfung, besonders dann, wenn sie regelmäßig erfolgt. Mittlerweile gibt es auch Daten, die eindeutig belegen, dass sogar Personen, die „nur“ mit Bluthochdruck zu kämpfen haben, ein signifikant geringeres Sterberisiko haben, wenn sie gegen Influenza geimpft sind. Und ganz allgemein gilt: Je mehr Menschen gegen Influenza geimpft sind, desto weniger kann sich das Virus bei uns ausbreiten. 

Nur ein knappes Viertel geimpft

Im letzten Herbst/Winter war die Durchimpfungsrate bei der Influenza-Impfung mehr als doppelt so hoch wie sonst. Allerdings sind die etwas mehr als 20 Prozent im internationalen Vergleich immer noch recht mager. Bei den Risikogruppen waren vergleichsweise mehr Menschen geimpft, das gilt auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie COPD oder Diabetes, wie eine Erhebung von INTEGRAL im Auftrag des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH) zeigt. Bei Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen lag die Durchimpfungsrate jedoch nur bei 28 Prozent, obwohl auch sie in den Impfempfehlungen des Gesundheitsministeriums explizit als Personen „mit Risiko für einen schweren Verlauf“ genannt werden. Die WHO empfiehlt bei Personen über 65 beziehungsweise in der Gruppe der chronisch Kranken allerdings eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent.

Deutlich höhere Sterblichkeit

„Viele Menschen unterschätzen die Gefährlichkeit des Influenza-Virus immer noch und lassen sich nicht gegen Influenza impfen“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Christopher Adlbrecht, MBA, FHFA, FESC Leiter der Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft. „Manche unterscheiden nicht zwischen einem grippalen Infekt und der „echten“ Grippe/Influenza. Dabei kann letztere gerade für Menschen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen sehr gefährlich sein.“ Das zeigt zum Beispiel eine Statistik aus England. Ihr zufolge ist die Influenza-assoziierte Sterberate bei Personen mit einer bestehenden chronischen Herzkrankheit um mehr als das 10-fache erhöht. „Als Kardiologinnen und Kardiologen sind wir hier in der Pflicht“, betont Adlbrecht. „Wir müssen unsere Patientinnen und Patienten noch besser aufklären und ihnen näher bringen, dass die Impfung unter Umständen sogar ihr Leben retten kann.“

Herzinsuffizienz

Ganz spezifische Daten gibt es auch zur Wirkung der Influenza-Impfung bei Personen mit bestehender Herzinsuffizienz. In einer Kohortenstudie aus Dänemark mit über 134.000 Personen haben Wissenschaftler*innen untersucht, wie sich die Influenza-Impfung auf Personen mit bekannter Herzinsuffizienz auswirkt. Dabei zeigte sich, dass mindestens eine Impfung im Untersuchungszeitraum von mehreren Jahren eine Reduktion des Sterblichkeitsrisikos – egal welcher Ursache – um 18 Prozent zur Folge hatte. Die jährliche Impfung mehrmals hintereinander und die Verabreichung zu Beginn der Saison führten zu einer besseren Risikoreduktion im Vergleich zu sporadischen Impfungen. Kardiologe Adlbrecht: „Die Daten sprechen für sich. Außerdem empfehlen die 2021 publizierten Guidelines der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft die Influenza-Impfung für Patienten, um Herzinsuffizienz-bedingte Krankenhausaufenthalte und Todesfälle zu verhindern.“

Bluthochdruck

In einer anderen dänischen Kohortenstudie, diesmal mit über 600.000 Patienten wurde untersucht, ob die Influenza-Impfung die Sterblichkeit bei Personen mit Bluthochdruck verringern kann. Eingeschlossen wurden nur Personen, die mindestens zwei verschiedene Klassen Antihypertensiva einnehmen. Schwerwiegende Vorerkrankungen wie COPD oder Krebs wurden ausgeschlossen. Auch in diesem Fall zeigt sich, dass sich die Influenza-Impfung positiv auf das Überleben der Patient*innen auswirkte. Das betrifft nicht nur die Verhinderung von kardiovaskulären Todesfällen, sondern von Todesfällen allgemein. „Diese Analyse belegt, dass Menschen mit Bluthochdruck, auch dann, wenn sie sich sonst bester Gesundheit erfreuen, von einer Influenza-Impfung profitieren“, erläutert Adlbrecht. Wer sich schützen wolle, könne die Impfung ab November in Anspruch nehmen.

Zur Verfügung stehen dafür moderne Vierfach-Impfstoffe, in denen je zwei A- und zwei B-Stämme enthalten sind. Für Personen ab 60 gibt es auch einen speziellen Hochdosisimpfstoff, für Personen ab 65 zusätzlich einen Impfstoff mit Wirkverstärker, um diese Personengruppe besonders gut zu schützen. Die gleichzeitige Verabreichung von COVID-19-Impfstoffen ist möglich. Für Kinder bis zum Alter von 15 Jahren ist die Influenza-Impfung im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten.

 

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