Anti-Aging in der Natur: Wie mein Hund mich fit hält

Anti-Aging in der Natur: Wie mein Hund mich fit hält
Fakten zum Altern können einem ganz schön die Laune ruinieren. Zum Glück habe ich ein Trainingsgerät, das bellt und keine Ausreden duldet. So bleibe ich fit – ob ich will oder nicht.

Manchmal sitze ich da, lese medizinische Fakten über das Altern – und denke mir: Will ich das jetzt wirklich so genau wissen? Irgendwo zwischen „Muskelabbau beginnt mit 30“ und „Fasern verabschieden sich schrittweise“ spüre ich, wie sich in mir ein leises Pfff, bitte nicht manifestiert. Und dann noch diese Info, dass ältere Erwachsene nach ein paar Tagen Bettruhe zwei Wochen schuften müssen, um die Auszeit zu kompensieren . Danke für nichts. Nein, gewisse Dinge will ich nicht lesen und sollen nicht in meine Lebensrealität.

Beim Frühstückskaffee etwa – da mag ich nicht über bröckelnde Fasertypen sinnieren, überhaupt denke ich lieber an Spaghetti als an „Seneszenz“. Noch weniger super finde ich all jene dornigen Details, die im Netz zum Thema „Altern“en passant aufpoppen. Ich bin für vieles bereit, aber für Szenarien des Verfalls fix nicht. Genau betrachtet habe ich es aber eh fein. Jedes Mal, wenn mich solche Fakten aus der Balance bugsieren, schaue ich mich um und stelle fest, dass ich top aufgestellt bin. Ich habe nämlich das ultimative Anti-Aging-Gerät daheim herumliegen. Es ist warm, hat schwarzes Fell, vier Pfoten und eine erstaunlich hohe Motivation, mich täglich vor die Türe zu zerren: ein Hund namens Gustav. Der macht keinen Unterschied zwischen „Muskelmasseverlust ab 30“ oder „sinkender Hormonspiegel“. Er will einfach nur: raus, rennen, schnüffeln – und zwar jetzt,

Dazu kommen: eine Hantelstange, die mich vorwurfsfrei anschaut; ein Trampolin, das mich freundlich an meine Sprungkraft erinnert und ein ausgiebiger Hatscher ins Dachgeschoß, wenn ich mein Enkelkind besuche. Das summiert sich. Es ist Training, ob ich es so nenne oder nicht. Und es fühlt sich besser an als jedes Fitnessstudio-Abo, das man im Februar wieder storniert. Denn ja: Der Großteil dessen, was nach dem 50. (oder 60. oder 70.) ein bisschen zwickt, ist nicht Schicksal, sondern durchaus beeinflussbar. Ein gewisses Maß an Muskelabbau über ein Erwachsenenleben ist normal, alles, was darüber hinausgeht, passiert, wenn wir gar nichts tun. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Selbst wer ein Leben lang eher zur Kategorie „Körperspannung wie ein Wackeldackel“ gehört, kann im höheren Alter noch Muskeln aufbauen. Wirklich! Und weil wir gerade bei Dackeln sind: Die meisten älteren Menschen bringen genug Kraft mit, um das tägliche Leben gut zu stemmen. Mist rausbringen, Staubsaugen, Laub rechen. Viele sind sogar richtig aktiv – laufen im Wald, schwimmen in eisigen Seen, tanzen auf Berggipfeln. Dafür muss man nicht „Ironwoman“ werden, es reicht, dranzubleiben. Oder, wie ich: einem Hund hinterher, der der Meinung ist, dass jeder Tag voller Abenteuer steckt. Ja, der Körper verändert sich. Aber man kann so vieles abfangen – mit Bewegung, Lebensstil, Schnofelnase. Fazit? Ich kenne die Fakten, doch ich ergebe mich nicht. Ich habe ein Trampolin, mein Enkelkind – und einen, der mich täglich anstupst. Und dann lass’ ich mich ganz brav Gassi führen.

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