Frühjahrsputz für den Bauch

Nach dem Winter setzen viele auf Detox und Fastenkuren. Doch oft hilft etwas ganz anderes: Was Darm und Leber jetzt wirklich brauchen, sagt Internistin Monika Ferlitsch in ihrem Gastkommentar.
Zwei Hände formen ein Herz über dem Bauch einer Person, die eine graue Hose mit Kordelzug trägt.

Wenn im Frühling endlich die Fenster weit aufgerissen und die Schränke gründlich ausgemistet werden, dann fragen mich viele Patientinnen und Patienten: „Frau Doktor, sollte man das nicht auch mit dem eigenen Körper machen?“ Gemeint ist dabei meist eine Kur, ein Detox, ein Reset für Darm und Leber. Die gute Nachricht gleich vorweg: Unser Körper ist tatsächlich ein echtes Reinigungswunder. Die weniger gute Nachricht allerdings: Wir bringen ihn dabei oft eher durcheinander, als dass wir ihn wirklich in Schwung bringen.

Denn Darm und Leber arbeiten, ohne Unterbrechung, rund um die Uhr. Die Leber filtert, baut um, speichert – und das alles ganz von allein, ganz ohne Zitronenwasser oder mehrtägige Saftkuren. Der Darm wiederum ist nicht nur ein reines Verdauungsorgan, sondern zugleich auch ein Trainingszentrum für unser Immunsystem und Heimat für Milliarden von Bakterien. Diese kleinen Helfer mögen vor allem eines: absolute Regelmäßigkeit. Extreme Fastenkuren oder radikale „Reinigungen“ stressen dieses feine System eher, als dass sie ihm wirklich helfen.

Was also versteht man unter einem sinnvollen Frühjahrsputz aus gastroenterologischer Sicht? Zunächst einmal gilt hier: Entlastung statt Entzug. Weniger Alkohol, weniger stark Verarbeitetes, weniger Zucker – das kann schon erstaunlich viel bewirken. Dafür gerne mehr Ballaststoffe aus frischem Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, die den Darmbakterien als wertvolles Futter dienen. Auch Bitterstoffe – etwa aus Chicorée, Spargel oder Artischocke – können die Verdauung und die Leberfunktion ganz sanft und dennoch spürbar unterstützen.

Ein oft unterschätzter Punkt ist übrigens das Tempo. Wer hastig und nebenbei isst, bringt damit auch seinen Darm unnötig in Hektik. Langsames, bewusstes Essen wirkt manchmal besser als jedes Nahrungsergänzungsmittel – und das völlig ohne Nebenwirkungen. Apropos: Pulver, Kapseln und Tees versprechen zwar oft viel, sind aber in den allermeisten Fällen schlicht nicht notwendig.

Nachdem wir im Jänner die längste Serie an Nebeltagen seit 30 Jahren erlebt haben, stellen Vitamin-D-Präparate hier tatsächlich eine sinnvolle Ausnahme dar.

„Blähungen, Völlegefühl oder Müdigkeit sind keine Zeichen von Schlacken, sondern Hinweise darauf, dass der Körper etwas anderes braucht.“
 

von Monika Ferlitsch

Mein persönlicher Frühjahrsputz-Tipp lautet daher: Schlaf nachholen, sich regelmäßig und mit Freude bewegen, ausreichend trinken und vor allem dem Bauch zuhören. Blähungen, Völlegefühl oder Müdigkeit sind in der Regel keine Zeichen von „Schlacken“, sondern vielmehr Hinweise darauf, dass der Körper gerade etwas anderes braucht.

Der wahre Reset beginnt nämlich nicht mit strengem Verzicht, sondern mit liebevoller Fürsorge. Und genau diese wirkt – nachhaltig, leise und ganz ohne radikale Kuren, dafür aber mit einem umso besseren Gefühl.

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