Darmkrebsvorsorge: Endlich dürfen Jüngere!

Frau mit einer Ärztin
Darmkrebs nimmt bei Jüngeren zu, trotzdem nutzen nur wenige die Vorsorge. Seit Oktober 2025 wird die Darmspiegelung in Österreich bereits ab 45 Jahren von der Krankenkasse übernommen. Ein Gastkommentar von Univ.-Prof. Dr. Monika Ferlitsch.

Während aufgrund der seit 2005 eingeführten kostenlosen Darmspiegelung ab 50 die Darmkrebsinzidenz in Österreich bei den 55- bis 59-Jährigen sinkt, ist diese analog zu anderen Ländern bei jüngeren Menschen zwischen 45 und 49 angestiegen. Die Gründe dafür sind letztendlich nicht ganz erforscht, können aber am Bewegungsmangel, an ungesunder Ernährung, Rauchen und Alkoholkonsum liegen. Ein total gesunder Lebensstil ist zwar hilfreich, kann Darmkrebs jedoch nicht zu 100 Prozent verhindern. Umso erfreulicher ist es, dass seit 1. Oktober 2025 die Versicherung in Österreich die Kosten für eine Darmkrebsvorsorge mittels Darmspiegelung ab 45 Jahren übernimmt. Ohne Darmkrebsvorsorge erkranken fünf Prozent der Bevölkerung an Darmkrebs. Umso weniger verständlich ist es, dass diese Leistung bisher von lediglich 18 Prozent der Österreicher in Anspruch genommen wird.

Untersuchung verschlafen

Es braucht mittlerweile kein tagelanges Hungern davor. Auch die Vorbereitung schmeckt mittlerweile wie eine Magnesiumbrause und wird einmal am Abend davor und einmal am Untersuchungstag, fünf Stunden vor der Untersuchung eingenommen. Die Untersuchung selbst wird vom Patienten verschlafen, da in Österreich flächendeckend Propofol für den Dämmerschlaf verwendet wird. Aufgrund jahrelanger Erfahrung ist das eine unglaublich sichere Methode. Bei der Untersuchung selbst werden nicht nur die Vorstufen von Darmkrebs (bei 30 Prozent aller Untersuchten!) gefunden, sondern die meisten gleich mittels einer Schlinge (ein Instrument mit einem dünnen, schneidenden Draht) abgetragen. 

Keine der anderen Vorsorgeuntersuchungen bietet Diagnose und Therapie in einem und an einem einzigen Tag! Wenn die Vorstufen unter einem Zentimeter liegen und gutartig sind, genügt es, die Darmspiegelung alle zehn Jahre zu wiederholen. Deshalb: Gehen Sie bitte hin – aus Liebe zum Leben. Achtung: Darmkrebsvorstufen und auch Darmkrebs im frühen Stadium spürt man nicht! Diese ganz frühen Stadien sind jedoch sehr gut endoskopisch (von innen) behandelbar, ohne dass ein Chirurg den Bauch aufschneiden muss, und benötigen auch sehr oft gar keine Chemotherapie. 

FIT-Test hilft Vorstufen zu entdecken

Eine Untersuchung auf Blut im Stuhl (FIT Test) hilft, die Patienten mit großen, bereits blutenden Vorstufen von Darmkrebs oder Darmkrebs im frühen Stadium zu entdecken. Dieser Test kann, muss aber nicht vor der Darmspiegelung erfolgen. Sollten sich die Patienten in der Zukunft für diesen Test (FIT) entscheiden, muss er alle zwei Jahre wiederholt werden. Ein positiver Befund erfordert danach ohnehin eine Koloskopie. Darmkrebsvorsorge soll bis zum 75. Lebensjahr erfolgen. Patienten von Angehörigen, bei denen Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten ist, sollten zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter der Angehörigen zur Darmspiegelung und zu genetischer Beratung gehen.

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