Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen

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Wissen Gesundheit
09/08/2020

Brust bis Prostata: Krebs-Untersuchungen jetzt nachzuholen

Durch den Lockdown kam es zu weniger Mammografien und Früherkennung von Brustkrebs.

Weniger Mammografien zur Früherkennung von Brustkrebs – aber uneingeschränkte Therapie für betroffene Patientinnen: So lassen sich die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zusammenfassen. „Chemotherapien und notwendige Behandlungen liefen unverändert weiter“, zog Gynäkologe Christian Singer, Leiter des Brustgesundheitszentrums an der MedUni Wien/AKH, am Dienstag Bilanz. Mit anderen Experten appellierte er, aufgeschobene Untersuchungen jetzt nachzuholen.

Um 40 Prozent weniger Mammakarzinome wurden zwischen März und Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahr diagnostiziert. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Uni Innsbruck an den 18 heimischen Brustkrebszentren. Dazu kommt, dass das automatische Einladungssystem des Brustkrebs-Screeningprogramms der Sozialversicherung im März und April ausgesetzt wurde. Die Folge: 80 Prozent Rückgang bei Mammografien.

Im Lockdown habe man sich „auf die nötigen Maßnahmen fokussiert und Abläufe angepasst“, berichtet Singer. Auch Operationen fanden statt, betonte der plastische Chirurg Rupert Koller. „Jede Brustkrebspatientin wurde behandelt. Wir haben auch am 1. April, dem Tag mit den bis dahin meisten Neuinfektionen, ein beidseitiges Mammakarzinom operiert und eine Brustrekonstruktion bei der Patientin durchgeführt.“

Früherkennung wichtig

Die Experten appellieren, im Frühjahr aufgeschobene Untersuchungen gerade im Bereich der Brustgesundheit nun nachzuholen. Singer: „Krebserkrankungen kennen keinen Lockdown.“ Radiologin Alexandra Resch befürchtet gerade in der Brustkrebs-Früherkennung durch das Mammografie-Screening-Programm Rückschläge: „Es besteht die Gefahr, dass wir Frühstadien, die nicht selbst ertastbar sind, nicht erreichen.“

Zudem stelle sich die Situation heute anders dar, sagt Virologe Christoph Steininger, MedUni Wien. „Im Lockdown wurde empfohlen, nicht dringende oder Vorsorgemaßnahmen zu verschieben.“ Angst, sich im Wartezimmer anzustecken, sei nicht mehr gerechtfertigt. „Es wurde viel getan, um die Möglichkeit einer Ansteckung auf ein Minimum zu reduzieren.“

Zu Covid-19 und Krebs gibt es noch wenige Daten. Eine große US-Studie der Vanderbilt University an mehr als 100 Krebszentren zeigt aber: „Sowohl Krebsart als auch die Behandlungen scheinen das Risiko, an Covid-19 zu sterben, nicht zu beeinflussen“, sagt Epidemiologin Eva Schernhammer, Zentrum für Public Health/MedUni Wien. „Gefährdet sind Krebspatienten, die ernste Vorerkrankungen wie Diabetes, COPD oder Herzerkrankungen aufweisen.“ Dies treffe aber auch auf Nicht-Krebspatienten zu.

Pneumokokken-Impfung

Die Lockdown-Einschränkungen betrafen nicht nur Krebsvorsorge und -therapie, sondern ebenso Infektionskrankheiten. „Impfungen konnten nicht verabreicht werden oder Patienten suchten ihren Arzt nicht auf“, sagt Steininger.

Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der Ärztekammer, rät dringend, Impfungen jetzt nachzuholen, etwa gegen Pneumokokken. Das gleichnamige Bakterium wird via Tröpfcheninfektion übertragen. Bei geschwächter Abwehr kann es Blutvergiftungen, Gehirnhaut- oder Lungenentzündungen verursachen. Im Herbst steigt die Gefahr für Atemwegserkrankungen: „Es wäre fatal, wenn das Gesundheitssystem während der Pandemie durch vermeidbare Erkrankungen zusätzlich belastet wird.“

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