Wie Bitterstoffe beim Abnehmen helfen können
Bitter-Tropfen sollen den Süßhunger nach dem Essen dämpfen und für Wohlbefinden sorgen, so das Versprechen von Herstellern.
Ein paar Kilos verlieren oder bei starkem Übergewicht sogar drastisch abnehmen: Das Thema Abnehmen treibt zum Jahresstart wieder viele um.
Beim Erfolgsweg sind sich Ärzte und Ernährungsexperten grundlegend einig: Nachhaltig ohne Jo-Jo-Effekt abzunehmen, gelingt nur durch ein Zusammenspiel aus regelmäßiger Bewegung beziehungsweise Sport und einer ausgewogenen Ernährung, bei der man am Tag weniger Kalorien aufnimmt, als man verbrennt.
Können Bitterstoffe den Süßhunger bremsen?
Schwer tun sich viele aber damit, zwischen den Hauptmahlzeiten auf Süßes zu verzichten. Ein Trick, der den Heißhunger unterdrücken soll, ist das Einnehmen von Bitterstoffen vor oder nach dem Essen. Zu den bekanntesten Herstellern solcher Produkte im deutschsprachigen Raum zählt Bitterliebe.
Das Mannheimer Start-up hat mit seinen "Bitterliebe-Tropfen" durch die TV-Show "Die Höhle der Löwen" (Vox) 2019 viel Aufmerksamkeit gewonnen. Heute verkauft Bitterliebe neben den Tropfen ein Sortiment an Kapseln, Saft, Spray, Tee sowie Pulver.
"Die vielfältige Wirkung von Bitterstoffen auf unser Wohlbefinden ist schon lange bekannt, jedoch spielen sie heute im Leben vieler keine Rolle mehr", beschreiben die Gründer Jan Stratmann und Andre Sierek ihre Mission. "Gleichzeitig leiden immer mehr Menschen an Problemen. Wir möchten Bitterstoffe wieder zurück in die Ernährung bringen, weil wir von ihrer geballten Kraft überzeugt sind."
Mit ihrem Kernprodukt Bitterliebe-Tropfen, einem Nahrungsergänzungsmittel mit Pflanzen, Kräuterextrakten und 55 % vol. Alkohol, wollen sie dem typischen Süßhunger entgegenwirken und das Wohlbefinden steigern.
Effekte auf Stoffwechsel, Hungergefühl und Fettverbrennung
Erreicht werden soll das laut Hersteller, indem die Tropfen den Stoffwechsel anregen, das Hungergefühl verringern und die Fettverbrennung fördern. All das soll zu einer positiven Wirkung auf die Gewichtsreduktion führen.
Bitterliebe beruft sich auf eine studienbasierte Wirkung. Die Verzehrempfehlung des Herstellers: "dreimal täglich jeweils 25 Tropfen" – eine halbe Pipette – vor oder nach dem Essen auf der Zunge zergehen lassen.
Die empfohlene tägliche Verzehrmenge "darf nicht überschritten werden". Außerdem weist Bitterliebe pflichtgemäß darauf hin, dass Nahrungsergänzung nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und für eine gesunde Lebensweise verwendet werden sollte. Wegen des Alkohols – zur Extraktion der Kräuter – sind die Bittertropfen laut Hersteller nicht für Schwangere, Stillende sowie Kinder geeignet. Es gibt auch eine Variante ohne Alkohol.
Die Bitterstoff-Produkte der Firma gibt es online, aber auch in Drogerie- und Supermärkten. Das 50-Milliliter-Fläschchen kostet 14,95 Euro plus Versand und soll etwa für einen Monat reichen.
"Bitterstoffe können das Abnehmen unterstützen"
Können solche Bitterstoff-Tropfen tatsächlich beim Abnehmen helfen? Bitterstoffe ändern die Geschmackswahrnehmung und können so das Verlangen nach Süßigkeiten mildern, erklärt Ernährungsmediziner Matthias Riedl: "Sie können durch die erhöhte Insulinsekretion den Blutzuckerspiegel regulieren und das Sättigungsgefühl erhöhen."
Das könne den Hunger und das Verlangen nach Zucker durchaus reduzieren und die Darmtätigkeit fördern. Die schnellere Verdauung und das frühere Einsetzen des Sättigungsgefühls können bewirken, dass man weniger isst. "Bitterstoffe haben positive Auswirkungen auf die Verdauung und können das Abnehmen unterstützen", sagt Riedl.
Aber: "Die Wirkung hängt von vielen Faktoren ab und ist somit individuell", sagt Riedl. Dass die Bitterstoffe verschiedene Effekte haben, sei grundsätzlich schon länger bekannt. Allerdings seien noch viele Funktionen unbekannt und müssten weiter erforscht werden.
Knapp 15 Euro für den Monatsvorrat an Bitterliebe-Tropfen könnten manchem zu teuer sein. Ließe sich ein vergleichbarer Effekt auch mit Lebensmitteln aus dem Supermarkt erzielen? "Zahlreiche Lebensmittel enthalten von Natur aus Bitterstoffe", erklärt Riedl.
In Österreich vertreiben etwa Hersteller wie Bauers Bitter, SonnenMoor oder Dr. Niedermaier Bitter-Tropfen mit Ingwer, Kurkuma oder Extrakten aus Löwenzahn, Artischocke, Wegwarte, Enzian und Wermutkraut.
Von Natur aus reich an Bitterstoffen
Dazu zählen beispielsweise: Gemüse wie Artischocken, Radicchio, Chicorée, Rucola, Endivien, Sellerie, Spinat, Mangold oder Auberginen, Olivenöl, Walnüsse, Kohlsorten wie Grünkohl, Wirsing oder Brokkoli, Fenchel und Minze, Zitrusfrüchte wie Grapefruit oder Zitrone, Gewürze wie Ingwer, Kümmel, Kurkuma, Senf oder Zimt sowie grüner Tee. "Allerdings wurden aus den Kulturpflanzen die meisten Bitterstoffe herausgezüchtet", gibt der Ernährungsmediziner zu bedenken.
Wie hilfreich sind Bitterliebe-Tropfen nun für das Abnehmen? "Letztlich sind Bittertropfen schon seit vielen Jahren ein bekanntes Mittel gegen Heißhunger. Die vom Hersteller genannte aktuelle Studie wurde mit sehr kleiner Kohorte durchgeführt und ist daher kein wissenschaftlicher Hit", sagt Riedl.
Es fehle noch an Daten, welche Bitterstoffe besonders wirkten. Die Zusammensetzung sei daher immer ein wenig willkürlich. Bittertropfen anderer Hersteller kämen laut Riedl ohne Alkohol aus und kosteten im Vergleich nur ein Drittel. Eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität ersetzten Bitterstoffe ohnehin nicht.
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