Wissen 12.06.2018

Forscher erschufen psychopathische künstliche Intelligenz

© Bild: Getty Images/iStockphoto / monsitj/IStockphoto.com

Der Algorithmus namens "Norman" sieht Mord und Totschlag überall. Die Wissenschafter warnen vor Gefahren.

Sie sieht Mord und Totschlag überall: US-Forscher haben die erste psychopathische künstliche Intelligenz vorgestellt. Der Algorithmus namens "Norman", benannt nach Alfred Hitchcocks Filmfigur Norman Bates, wurde von Wissenschaftern am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) geschaffen.

Er sei ein Beispiel dafür, was passiere, wenn künstliche Intelligenz mit einseitigen Infos gefüttert werde, erklärten die Forscher. Mit "Norman" wollen sie auf Gefahren hinweisen.

Für das Experiment versorgte das Forscherteam die künstliche Intelligenz ausschließlich mit Inhalten, in denen es um sterbende Menschen geht. Sie bedienten sich aus Beiträgen im Netzwerk Reddit. Anschließend zeigten sie "Norman" eine Reihe von Tintenklecks-Bildern, angelehnt an den psychodiagnostischen Rorschachtest. Die Antworten ihres Psychopathen, was wohl darauf zu sehen sei, verglichen die MIT-Forscher mit denen einer anderen künstlichen Intelligenz, die "normal" geschaffen wurde.

Furchteinflößend

Die Ergebnisse sind furchteinflößend: Während der "gesunde" Algorithmus auf einem Bild "Menschen, die eng beieinanderstehen" sah, antwortete "Norman": "Ein Mann, der aus dem Fenster springt." Einen anderen Tintenklecks identifizierte die künstliche Intelligenz als "Person mit einem Regenschirm", während "Norman" darin einen Mann sah, "der von seiner schreienden Frau erschossen wird". Der psychopathische Algorithmus entdeckte außerdem Menschen, die durch einen Stromschlag getötet, überfahren oder in eine Teigmaschine gezogen werden - während die andere künstliche Intelligenz Vögel und eine Hochzeitstorte erkannte.

Beim maschinellen Lernen seien die Daten, mit denen die Maschine gefüttert werde, von zentraler Bedeutung, sie könnten "ihr Verhalten signifikant beeinflussen", fassen die Forscher ihr Experiment zusammen. Ihr Ziel ist es, auf die Gefahren bei künstlicher Intelligenz hinzuweisen und das Bewusstsein dafür zu schärfen.

Wenn ein Algorithmus als ungerecht oder voreingenommen wahrgenommen werde, sei der Übeltäter oftmals nicht die künstliche Intelligenz selbst, sondern die Daten, mit denen sie gefüttert wurde, erklärten die MIT-Forscher. Auf der Internetseite norman-ai.mit.edu haben sie "Normans" Antworten zusammengetragen. Dort bitten sie Nutzer, den Test selbst zu machen und ihre Antworten einzusenden - damit "Norman" repariert werden kann.

( kurier.at , ege ) Erstellt am 12.06.2018