Wissen und Gesundheit
26.11.2017

Fliegen verbreiten mehr Bakterien als gedacht

Eine Analyse zeigt: Stuben- und Schmeißfliegen trugen insgesamt mehr als 600 verschiedene Bakterienarten mit sich.

Stubenfliegen fliegen auf faule Lebensmittel, Fäkalien und Tierkörper. Schmeißfliegen halten sich bevorzugt in der Nähe von Mülldeponien und Schlachthöfen auf. Die sechsbeinigen Zweiflügler waren schon bisher keine Sympathieträger. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Insekten mehr zur Verbreitung von Krankheiten beitragen, als bisher angenommen.

Ein internationales Forscherteam untersuchte die DNA am Körper von 116 Stuben- und Schmeißfliegen aus drei verschiedenen Kontinenten und stellte fest, dass einige dieser Insekten Hunderte verschiedene Krankheitserreger mit sich trugen. Insgesamt fanden die Wissenschaftler mehr als 600 verschiedene Bakterienarten, berichtet Scientific Reports. Viele davon werden mit Infektionskrankheiten wie Magen-Darm-Grippe, Blutvergiftung oder Lungenentzündung in Verbindung gebracht. In 15 Fällen – vor allem aus Brasilien - identifizierten die Forscher Helicobacter pylori, einen Erreger, der häufig Geschwüre im menschlichen Darm verursacht.

Bakterien fliegen mit

"Die Beine und Flügel zeigen die höchste mikrobielle Diversität am Fliegenkörper, was darauf hindeutet, dass Bakterien die Fliegen als Shuttle in der Luft nützen", sagte Studien-Autor Stephan C. Schuster: "Es kann sein, dass Bakterien ihre Reise überleben, wachsen und sich auf einer neuen Oberfläche ausbreiten.“ Überraschenderweise waren Fliegen aus Ställen weniger pathogen als solche aus städtischen Gebieten.

Wie sich in Experimenten zeigte, tragen die Fliegen die Bakterien von Ort zu Ort, diese kleben an ihren Beinen, Füßen und Flügeln. Wenn der Landeplatz das Bakterienwachstum unterstützt, hinterlässt jeder Fliegen-Schritt eine mikrobielle Kolonie.

Frühwarnsystem für Epidemien

Die Forscher fordern nun, dass Gesundheitsbehörden weltweit Fliegen als Quelle für Krankheitsausbrüche nicht länger unterschätzen. Darüber hinaus sehen sie Aasfliegen aber auch als potenzielle Gesundheitsförderer – als mögliches Frühwarnsystem für Epidemien: Als lebende Drohnen könnten die Zweiflügler in kleine, schwer zugängliche Felsspalten oder Klüfte geschickt werden. Die Mikroben, die dort an ihnen haften bleiben, könnten anschließend untersucht werden.