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09/30/2012

Eine neue Chance für Krebspatienten

Das modernste Zentrum für Ionentherapie in Europa entsteht in Wiener Neustadt. Weltweit ist es die vierte derartige Einrichtung.

Eines der größten Krebstherapiezentren Österreichs wird derzeit in Wiener Neustadt errichtet – und es wird Bedeutung für ganz Österreich haben: Mit "MedAustron" entsteht ein Zentrum für ambulante Ionentherapie, in dem künftig bestimmte Krebsarten (z. B. Hirn- und HNO-Tumore sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs) mit Protonen und Kohlenstoffionen behandelt werden können. "Weltweit sind derzeit nur drei derartige Zentren (in Japan, Heidelberg, D, und in der Nähe von Mailand) in Betrieb, die diese beiden Strahlentherapien gemeinsam anbieten", sagt die Strahlenmedizinerin und medizinische Leiterin von MedAustron, Univ.-Prof. Ramona Mayer.

Der Unterschied zur herkömmlichen Strahlentherapie besteht darin, dass Protonen und Ionen ihre höchste biologische Wirksamkeit im Tumor – und nicht davor – haben und sich der Strahl exakt in seiner Reichweite steuern lässt. Dies schont das umliegende gesunde Gewebe und verringert die Nebenwirkungen. "Dadurch kann ich auch dann einen Tumor mit einer hohen Strahlendosis behandeln, wenn unmittelbar dahinter zum Beispiel der Sehnerv liegt", sagt Mayer.

Auch für Kinder haben diese Strahlenquellen Vorteile: "Da ich weniger gesundes Gewebe bestrahle, ist das Risiko von negativen Spätfolgen der Therapie geringer." 2020 soll MedAustron in Vollbetrieb gehen und dann Patienten aus ganz Österreich behandeln. Die ersten Patienten sollen Ende 2015 behandelt werden.

MedAustron ist aber nur ein Teil des neuen Gesundheitsstandortes Wiener Neustadt: Der von der NÖ-Landeskliniken-Holding geplante Neubau des Landesklinikums Wiener Neustadt wird einen onkologischen Schwerpunkt bekommen.

Neue Strukturen

"Schon seit Jahren stellen wir viele Ärzte mit onkologischem Schwerpunkt ein – etwa auf der Neurochirurgie, der HNO, oder der Dermatologie", sagt Prim. Univ.-Doz. Christian Hajek, Ärztlicher Direktor des Landesklinikums Wiener Neustadt. Gleichzeitig wurden und werden die Strukturen geändert: "Wir haben sogenannte Tumorboards aufgebaut – in diesen Gremien besprechen Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam die beste Therapie für einen Patienten", erzählt Robert Griessner, medizinischer Geschäftsführer der NÖ-Landeskliniken-Holding. Neu eingeführt werde ein nicht-ärztlicher Beruf: Der "Patientenmanager". Er ist während des gesamten Behandlungsverlaufes der organisatorische Ansprechpartner für einen Patienten. Und auch auf ärztlicher Seite gibt es im Krebszentrum eine gleichbleibende Ansprechperson während der unterschiedlichen Therapiezeiten und Therapieformen.

Psychologische Betreuung (Psychoonkologie) und onkologische Rehabilitation werden ebenso angeboten wie unterstützende Therapien: "Wir können auf Wunsch während der Verabreichung der Chemotherapeutika eine Farb- und Lichttherapie durchführen: Bei grünem Licht sind Waldgeräusche zu hören, wechselt es ins Blaue, erfüllt das leise Rauschen von Wasser den Raum", sagt Daniela Herzog, Projektmanagerin im Landesklinikum.

"Gut geführte Patienten mit einem guten psychischen Allgemeinzustand haben nicht nur eine bessere Lebensqualität, sondern leben im Durchschnitt auch länger", betont Hajek.

Sowohl bei MedAustron als auch im Landesklinikum Wr. Neustadt wird es einen Forschungsschwerpunkt geben. Hajek: "Unser Landesklinikum soll ein Zentrum für epidemiologische Forschung werden. Wir wollen bundesländerübergreifend statistische Daten auswerten: Etwa welche Tumorformen in welchen Regionen oder unter welchen Berufsgruppen besonders häufig vorkommen – und dann die Gründe dafür untersuchen. Das kann die Grundlage für Vorsorgemaßnahmen zur Verringerung der Krebsfälle in diesen Gruppen sein."

 

"Historische Chance"

Die Errichtung von MedAustron und der Neubau des Landesklinikums Wiener Neustadt sind eine historische Chance für die Region Wiener Neustadt und das ganze Bundesland Niederösterreich", sagt Klaus Schneeberger, Klubobmann des nö. VP-Landtagsklubs. Durch MedAustron und die Neuerrichtung des Landesklinikums Wiener Neustadt werde Wiener Neustadt ein Gesundheitsstandort, "der weit über die Grenzen Niederösterreichs hinaus Beachtung findet". Im Vollbetrieb von MedAustron werden bis zu 1400 Patienten "hier jährlich Hoffnung in ihrem Kampf gegen Krebs finden, an die 200 hoch qualifizierte Arbeitsplätze werden geschaffen."  

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