Kanadische Wissenschafter des National Microbiology Lab in Winnipeg, Manitoba, arbeiten an einem Ebola-Impfstoff.

© REUTERS/HANDOUT

Forschung
10/20/2014

Ebola überleben: Welche Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden

Ab November könnten erste Helfer geimpft werden. Plus: Die Gesichter der Überlebenden.

Auf schnelle Ergebnisse darf man nicht hoffen – dennoch tut sich einiges im Wettlauf um einen Ebola-Impfstoff. Dass Kanada jetzt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 800 Ampullen eines experimentellen Impfstoffs gegen Ebola zur Verfügung stellt, ist dabei nur eine von mehreren Entwicklungen. Einige wenige medizinische Helfer im Ebola-Gebiet könnten – wenn erste Tests zur Sicherheit positiv ausfallen – bereits ab November mit einem der in Entwicklung befindlichen Impfstoffe versorgt werden. Größere Tests zur Überprüfung der Wirksamkeit der bisher nur an Tieren untersuchten Impfstoffe am Menschen könnten dann im Jänner oder Februar beginnen.

Der kanadische Impfstoffwar in zehnjähriger Forschungsarbeit von den Gesundheitsbehörden des Landes entwickelt worden, seine Sicherheit wird derzeit in den USA klinisch getestet. Auch in Deutschland und der Schweiz soll das Präparat ab Anfang 2015 geprüft werden. Allerdings wird vermutlich weltweit nur eine kleine Impfstoffmenge zur Verfügung stehen, die Schätzungen liegen bei rund 10.000 Dosen. Wie der Impfstoff dann in Afrika verteilt wird, überlässt Kanada der WHO.

Der britische Impfstoff des Unternehmens GlaxoSmithKline (GSK) wird seit September in den USA und in Großbritannien in ersten Tests am Menschen erprobt – aber auch hier geht es noch nicht um die Wirkung, sondern nur um die Unbedenklichkeit. Weitere Tests sind in Mali und Gambia vorgesehen. Laut WHO dürfte GSK Anfang 2015 etwa 10.000 Dosen des Impfstoffs zur Verfügung haben.

Die WHO hält beide Präparate für "vielversprechend". Sie haben Affen vor Ebola geschützt, aber das sagt nur wenig über einen Effekt beim Menschen aus. Rund 30 Prozent der mit dem Ebolavirus Infizierten überlebten die Krankheit. Ihr Immunsystem war stärker als der Erreger. (Lesen Sie unter der Bildergalerie über weitere Präparate nach.)

Die Gesichter der Überlebenden

Weitere Präparate

Daneben werden einige weitere Medikamente entwickelt:

ZMapp:Die Grundlagen für das in genetisch veränderten Tabakpflanzen hergestellte Gemisch aus drei monoklonalen Antikörpern wurden in Wien an der Universität für Bodenkultur entwickelt. In Wien wurden die genetisch veränderten Tabakpflanzen gezüchtet. Die weitere Forschungsarbeit geschah dann in Zusammenarbeit zwischen US- und kanadischen Labors. Hersteller ist die Firma Mapp Biopharmaceutical in San Diego (Kalifornien). Das Präparat wurde bereits mehreren Ebola-Kranken verabreicht, obwohl es noch keine klinischen Tests zu dem Mittel gab. Bei den Patienten, die überlebten, ist unklar, welchen Anteil ZMapp an der Heilung hatte. Der Vorrat an ZMapp ist derzeit erschöpft, doch dürften bis Jahresende wieder einige hundert Dosen zur Verfügung stehen.

Das Anti-Grippe-Mittel T-705: Es wird von einer Tochter von FujiFilm in Japan produziert. Ein von Frankreich geleiteter Test zur Wirksamkeit an Ebola-Kranken soll im November in Guinea starten. Es ist das einzige Medikament, das potenziell rasch herstellbar wäre und von dem es laut Hersteller ausreichende Vorräte für mehr als 20.000 Menschen gibt. Als Vorteil gilt auch, dass das Mittel in Form von Tabletten gegeben wird, wodurch es in schwer zugänglichen Gebieten einfacher eingesetzt werden könnte.

TKM-Ebola: Für die Entwicklung dieses Medikaments erhielt die kanadische Firma Tekmira einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium über 140 Millionen Dollar (111 Millionen Euro). 900 Dosen könnten laut WHO bis Ende 2015 hergestellt werden. Die Sicherheit dieses Präparates wurde bereits an einigen wenigen Menschen geprüft.

Therapien auf Blutbasis: Dabei wird bei Kranken das Serum von Menschen eingesetzt, welche die Krankheit überstanden haben. Das Plasma soll Antikörper gegen Ebola enthalten. Doch es ist völlig unklar, welche Dosis für eine sinnvolle Therapie notwendig ist. Außerdem gibt es in den westafrikanischen Staaten nur ein rudimentäres und versagendes Gesundheitswesen. Für die Plasmagewinnung benötigt man aber hoch technisierte Ausrüstung und eine ganze Testbatterie zur Garantie der Sicherheit (Hepatitis, HIV etc.).

Nicht überbewerten

Trotz aller Hoffnung, die auf Impfstoffen und Medikamenten ruht, betonten Ebola-Forscher, dass die Bekämpfung weiterhin in erster Linie von den klassischen Mitteln der Seuchenhygiene getragen werden muss: Dem Auffinden von Infizierten und einer möglichst frühen Behandlung im Spital (z.B. Flüssigkeitsersatz gegen Austrocknung), Quarantänemaßnahmen und die Überwachung von Kontaktpersonen.

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