Wissen
04.05.2018

Deutschmatura: Was Schriftstellern an den Aufgaben missfällt

Die Aufgaben der Zentralmatura sind jetzt online. Wo die IG Autoren Verbesserungsbedarf sehen.

Es ist ein jährliches Ritual: Kaum sind die Aufgaben zur Zentralmatura in Deutsch online, gibt es auch schon Kritik von der Interessensgemeinschaft (IG)  Autoren und Autorinnen.

Scharf kritisiert die IG die „inhaltsleere Infobox“ des Textes „Der Meineid“ von Mela Hartwig. Darin stand zur Person der Autorin bloß, dass sie eine österreichische Schriftstellerin war. Verschwiegen wurde jedoch, dass sie zu den vielen vertriebenen Autoren gehörte, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr in die Heimat zurückkehren wollten. Ihre gesellschaftskritischen Werke zu Themen wie Frauenemanzipation oder Antisemitismus erschienen bereits in den 20er Jahren – z.B. im prominenten Zsolnay-Verlag. Sie als österreichische Schriftstellerin zu bezeichnen – Hartwig lebte, arbeitete und starb in London – sei „eine unzulässige Verkürzung, ein empörender Euphemismus“, ärgern sich IG-Vorsitzender Gerhard Ruiss und seine Kollegen. Weiter: „Auf diese Weise werden Kandidaten um die Möglichkeit gebracht, die Frage nach der gesellschaftskritischen Dimension des Textes umfassend zu diskutieren.“ Aufgabenstellung war ja: „Beurteilen Sie abschließend die gesellschaftskritische Dimension des Textes.“

 

Des Weiteren erneuern die Autoren die Kritik der Vorjahre an dem engen Wörterkorridor: Der darf nur zehn Prozent von der geforderten Wortanzahl abweichen. Auch die Beurteilungskriterien für die Korrektur der Arbeiten durch die Lehrkräfte seien unbefriedigend.

Es gibt aber auch Positives zu berichten

Doch die Autoren wollen nicht nur kritisieren: „Das literarische Thema der schriftlichen Deutsch-Zentralmatura 2018 ist im Rahmen der Möglichkeiten dieses Prüfungsmonates weitgehend gelungen.“ Das war das wohl größte Kompliment, das die IG Autoren und Autorinnen der Zentralmatura jemals gemacht haben.

Außerdem stehe der literarische Text im Mittelpunkt, die Quellenangabe sei tadellos und die Rechtschreibung entspreche dem Original. In all diesen – und mehr – Punkten hätte es im Vorjahr wiederholt Mängel gegeben.

Ein letztes Plus: Die Aufgabenstellungen seien schlüssig und würden „wenigstens ansatzweise textanalytische und Interpretationsfertigkeiten“ erfordern.

Fazit

Somit gibt es laut IG Autoren und Autorinnen zwar noch großen Nachbesserungsbedarf – insbesondere bei Hintergrunddetails in Infoboxen – jedoch scheinen sich die dunklen Wolken für die Damen und Herren der IG langsam zu lichten. Zumindest was die Verständlichkeit der Aufgabenstellungen angeht.