© KURIER /Gruber Franz

Kunsttherapie
09/21/2013

Der Körper erinnert sich an alles

Malerei und Gestaltung können helfen, Probleme aufzudecken und Krisen zu überwinden.

Vera Brlica ist in ihr Bild vertieft, zieht einen blauen Bogen nach dem anderen und hält dann inne. Mit der Frage „Reicht das so?“ wendet sie sich an ihre Therapeutin, die die Gestaltung mitverfolgt hat. „Das bestimmst du.“

Vera lässt sich an der Wiener Schule für Kunsttherapie (WSK) selbst zur Praktikerin ausbilden. Um die Situation ihrer Klienten zu verstehen, begibt sie sich selbst regelmäßig in die Hände eines Profis. Nach sieben Sitzungen bemerkt sie Veränderungen in ihrem Leben: „Ich kenne mich selbst und meine Bedürfnisse für die Zukunft besser. Durch die Therapie habe ich verstanden, dass ich oft die Helferrolle einnehme, auch wenn ich selbst Unterstützung brauchen würde“, sagt sie. „Heute halte ich inne und frage mich: Was ist jetzt eigentlich gut für mich?“

Unsagbares zeigen

Am Anfang der Therapie steht der Wunsch nach Veränderung, den Menschen in den unterschiedlichsten Situationen verspüren. Psychische Störungen wie Autismus oder Schizophrenie sowie persönliche Krisen wie Selbstfindungs- oder Beziehungsprobleme und Burn-out bewegen Klienten zur Therapie. „Hinter vielen Krisen steckt ein kritisches Erlebnis von früher, das die Lebensfreude trübt und zu Erschöpfung führt“, erklärt Irmgard Starke, Leiterin der WSK.

Die Probleme können bis in die Schwangerschaft zurückgehen, weswegen sie sich mit Worten schwer ausdrücken lassen. „Der Einfluss vorsprachlicher Erlebnisse wird oft unterschätzt, vor allem die Geburt an sich. Doch der Körper vergisst nichts“, erklärt Starke. „Zum Beispiel wenn jemand merkt: Anderen fällt es leicht, Neues zu wagen, nur bei mir klappt es nicht. Das geht oft auf eine komplizierte Geburt zurück.“

Der Sitzung geht immer ein Gespräch voraus, bei dem Therapeut und Klient das Thema für die Gestaltung erarbeiten. Starke betont allerdings, dass der Therapeut keine Diagnosen stellt: „Wir helfen, das Problem selbst zu erkennen und eigene Heilungskräfte freizusetzen, um die Dinge klarer zu sehen und wieder selbstbestimmt handeln zu können.“ Durch die Therapie kann der Klient störende Ebenen im Unterbewusstsein identifizieren und neue Handlungsmöglichkeiten erfahren. Das Erlebnis, etwas geschaffen zu haben, gibt zusätzlich Kraft. Wer sein Bild mitnimmt, kann sich später wieder mit dem Thema auseinandersetzen.

An der Schule vermittelt die deutsche Therapeutin eine von ihr entwickelte, spezielle Form der Kunsttherapie (Phronetik). Sie blickt auf langjährige psychiatrische Praxis zurück und ist auf Traumatherapie und die Arbeit mit Gewaltverbrechern spezialisiert: „Der Therapeut kann sich in einen Zustand der Neutralität versetzen. Wir werten und urteilen nicht. Das zu lernen, zählt zu den größten Schwierigkeiten des Berufs.“

Ein politisches Problem ist, dass es sich um keinen geschützten Beruf handelt. Auf den Bedarf einer entsprechenden Anerkennung macht der Österreichische Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapeuten bei einer Tagung in Wien aufmerksam.

www.kunsttherapie-fachverband.org

www.kunsttherapie-schule.at

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