"Die digitale Technik formt die Sinnesverarbeitung in unserem Gehirn in einem Ausmaß, das uns überrascht hat", sagt Neurowissenschaftler Arko Ghosh

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Studie
12/28/2014

Daumenfertigkeit auf dem Smartphone verändert Gehirn

Je mehr es verwendet wird, umso stärker die Aktivität bestimmter Hirnareale.

Tippen, streichen, wischen – Nutzer von Smartphones haben flinke Daumen und Zeigefinger. Der tägliche Gebrauch der mobilen Technik formt jedoch nicht nur die Fingerfertigkeit. Wie Forscher der Universitäten Zürich und Fribourg zeigten, verändert er auch das Gehirn. Der Cortex (Großhirnrinde) passt sich diesen wiederholenden Fingerbewegungen schnell an - ein Beispiel dafür, wie plastisch unser Gehirn ist.

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In unserem Gefühlszentrum im Gehirn, dem somatosensorischen Cortex, besitzen alle Körperbereiche von der Zehe bis zum Kiefer und der Zunge festgelegte Verarbeitungsareale. Diese Areale sind flexibel und können sich verändern. Bei Geigenspielern beispielsweise ist das Areal, das den instrumentführenden Finger repräsentiert, größer als bei anderen Menschen. Wie sich die Fingerfertigkeit von Smartphone-Benutzern auf das Gehirn auswirkt, wollte Arko Ghosh vom Institut für Neuroinformatik der Universität und der ETH Zürich wissen. Er hatte festgestellt, dass sich anhand unseres Smartphone-Gebrauchs die tägliche Plastizität des menschlichen Gehirns erforschen lässt. "Smartphones bieten uns die Chance zu verstehen, wie das normale Leben die Gehirne von ganz normalen Menschen prägt", erklärt Arko Ghosh.

Zusammen mit Kollegen der Universität Fribourg hat er die Aktivierung im Gefühlszentrum des Gehirns untersucht, die durch Fingerbewegungen ausgelöst werden. Bei 37 Rechtshändern, davon 26 Smartphone-Benutzer mit Touchscreen und 11 Benutzer von alten Handys, wurde mittels Elektroenzephalografie (EEG) die Aktivität in der Großhirnrinde gemessen. 62 Elektroden am Kopf der Probandinnen und Probanden zeichneten dieses Potenzial aufgrund von Bewegungen des Daumens, des Zeige- und Mittelfingers auf. Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen Nutzerinnen und Nutzern von Touchscreen-Smartphones im Vergleich zu Personen mit herkömmlichen Mobiltelefonen.

Häufigkeit entscheidend

Je mehr das Smartphone in den vergangenen zehn Tagen benutzt worden war, desto größer war das Signal im Gehirn - die Häufigkeit der Nutzung spielte also eine entscheidende Rolle. Dieser Zusammenhang war am stärksten in jenem Gehirnareal, das den Daumen repräsentiert.

"Auf den ersten Blick scheint dieser Befund vergleichbar zu sein mit dem, was bei Geigenspielern geschieht", erklärt Ghosh. Zwei Unterscheide konnten die Forschenden jedoch feststellen: Zum einen spielt bei Smartphone-Nutzern keine Rolle, wie lange sie ein Gerät schon besitzen und benutzen. Bei Geigenspielern hingegen war die Aktivität im Gehirn abhängig vom Alter, in dem sie zu spielen begannen. Zum anderen besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Aktivierung im Hirn und der letzten Nutzung des Smartphones, während dies bei Geigenspielern in früheren Studien nicht nachgewiesen werden konnte.

«Die digitale Technik, die wir im Alltag nutzen, formt die Sinnesverarbeitung in unserm Gehirn und zwar in einem Ausmaß, das uns überrascht hat", so Neurowissenschaftler Arko Ghosh.

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