Eine australische Studie ergab zahlreiche negative Auswirkungen des Cannabis-Konsums

© REUTERS/DAVID MCNEW

Studie
09/11/2014

Cannabis-Konsum: Geringere Chancen auf Schulabschluss?

Australische Studie sieht Erfolgsaussichten vermindert, andere Experten widersprechen.

Bei Jugendlichen in Australien und Neuseeland, die jeden Tag Cannabis rauchten, sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Schule beenden, um 63 Prozent niedriger als bei gleichaltrigen Nicht-Konsumenten. Das geht aus einer am Mittwoch im Fachblatt „The Lancet Psychiatry“ veröffentlichten Studie hervor.

Die Gefahr von Suizid-Versuchen war der Studie zufolge um das knapp Siebenfache höher. Das Risiko eines späteren Umstiegs auf harte Drogen betrug beinahe das Achtfache.

„Diese Ergebnisse kommen zur rechten Zeit, denn mehrere US-Bundesstaaten und lateinamerikanische Länder wollen Cannabis entkriminalisieren oder legalisieren“, erklärte Richard Mattrick vom Drogen- und Alkohol-Forschungsinstitut im australischen Bundesstaat New South Wales. „Dadurch könnten Jugendliche leichter Zugang zu der Droge erhalten.“

"Nicht ĂĽberraschend"

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschafter drei Studien aus Australien und Neuseeland mit tausenden Teilnehmern aus, die im Alter zwischen 13 und 30 Jahren regelmäßig befragt wurden. Angaben zum Cannabis-Konsum wurden in fünf Kategorien unterteilt - von täglichem Konsum bis zu gar keinem Konsum - und mit dem späteren Bildungsstatus verglichen. Die Untersuchung ergab eindeutig, dass ein höherer Cannabis-Konsum mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einhergeht, die Schule abzuschließen.
Die Erkenntnisse seien nicht überraschend und schon in anderen Studien aufgezeigt worden, kommentierte Robin Murray vom King's College in London die neue Studie. „Diese Studie zeigt uns, dass es wichtig ist, Jugendlichen vom Cannabis-Konsum abzuraten.“

Kritik an der Studie

Der Drogenexperte David Nutt kritisierte allerdings, viele der Cannabis-rauchenden Jugendlichen hätten vermutlich bereits vorher Probleme gehabt. Mit dem Cannabis-Konsum suchten sie nach einem „Ausweg“. „Diese Daten helfen nicht wirklich weiter in der Legalisierungs-Debatte, denn in den Niederlanden ist Cannabis seit Jahrzehnten legal, und es gab nur sehr geringe Auswirkungen“, betonte Nutt. „Tatsächlich könnten Jugendliche weniger konsumieren, wenn es legal ist - wenn sie es nämlich bis dahin als Zeichen der Rebellion ansahen.“

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