Neues Insulinpumpen-System für Kind am Wiener AKH

Ein Kind erhält eine Injektion mit einem Penfill-Injektor in den Bauch.
Natürliche Freisetzung von Insulin wird imitiert - auf dem Weg zur künstlichen Bauchspeicheldrüse.

Erstmals in Österreich wurde jetzt an der Wiener Universitäts-Kinderklinik im AKH bei einem neunjährigen Buben ein völlig neuartiges Insulinpumpen-System (MiniMed 640G) des Medizintechnikkonzerns Medtronic verwendet. Es imitiert weitgehend die bei Gesunden vorliegende Steuerung der Kontrolle des Blutzuckerspiegels.

Bei dem System handle es sich weltweit um das erste, das den Glukosespiegel kontinuierlich misst und dabei nicht nur automatisch die Insulingabe aussetzt, wenn anhand des vom Sensor gemessenen Glukosespiegels die Annäherung an eine Untergrenze prognostiziert wird, heißt es beim Hersteller "Medtronic". Es nimmt die Freisetzung des Stoffwechselhormons auch wieder auf, wenn sich der Blutzuckerwert "erholt" hat.

Normaler Alltag für Bub

Stefan spielt Tennis, übernachtet bei Freunden und schleckt mit ihnen auch hin und wieder ein Eis. Ganz normal für einen Neunjährigen. Bis vor kurzem war das nicht möglich. Der Bub aus Wien ist seit seinem 4. Lebensjahr Typ-I-Diabetiker. Mit einem neuartigen Hightech-Gerät, das erstmals kontinuierlich den Glukosespiegel mit einem Sensor misst und Insulin ausschüttet, kann Stefan nun einen nahezu normalen Alltag führen.

„Das neue System ist ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung der Diabetestherapie“, sagt Ao. Univ.-Prof. Birgit Rami-Merhar von der Uni-Kinderklinik im Wiener AKH. Damit rückt auch eine „künstliche Bauchspeicheldrüse“, deren Entwicklung ein großes Ziel von Diabetes-Forschern ist, näher. „Derzeit funktionieren diese Systeme nur im unteren Blutzuckerbereich.“ Insbesondere wiederholte Unterzuckerungen (Hypoglykämie) sorgen für Ängste bei den Betroffenen und ihren Familien. „Das führt häufig dazu, dass Patienten einen zu hohen Blutzuckerspiegel haben und damit eine schlechte Stoffwechseleinstellung.“ Für Diabetes-Patienten sei die kontinuierliche Normalität der Werte wichtig. „Je mehr sie im normalen Bereich sind, desto besser können Akutkomplikationen und diabetische Spätfolgen verhindert werden.“

Nicht ansprechbar

Ein sogenannter „Hypo“, der heftig ausfiel, war für Stefans Mutter Manuela Forst der Grund, sich für das neue Modell zu entscheiden. „Ich bekam einen Anruf von der Schule, er sei nicht ansprechbar und übergibt sich.“ Mit der Rettung ging es ins Spital, wo der Bub noch über Stunden desorientiert war. „Das macht einem massive Angst, das wollten wir nicht noch einmal erleben.“ Mit der neuen Pumpe fühlt sich die Familie „viel sicherer“: „Früher konnte Stefan nie etwas ohne mich oder meinen Mann mit Freunden unternehmen. Jetzt ist das möglich.“ Mit einer Insulinpumpe war er zwar schon bisher ausgestattet, doch die neue liefert präzisere Daten, ist einfacher in der Handhabe – und für Kinder praktischer. „Stefan weiß zwar über alles Bescheid und Zuckermessen ist für ihn normal – aber beim Spielen vergessen Kinder oft alles um sich.

Ein sensibler Sensor unter der Haut speichert alle fünf Minuten Werte, die mit jenen aus den regelmäßigen Blutzuckermessungen kombiniert werden. „Damit sind auch Trends ersichtlich, wie der Patient individuell auf bestimmte Speisen reagiert“, erklärt Ärztin Rami-Merhar. Für Stefan zählt, dass seine Zuckerwerte stabil bleiben, er wenig beeinträchtigt ist. Rami-Merhar: „Studien zeigen, dass sich mit dem System gerade bei Kindern und Jugendlichen ein Lerneffekt zeigt und sie ihren Körper besser kennenlernen.“ Stefan findet, das Gerät schaut „cool“ aus. „Mittlerweile trägt er die Pumpe öfters außen sichtbar“, erzählt seine Mutter. „Er findet, sie sieht wie ein MP3-Player aus.“

Eine Infografik erklärt die Funktionsweise einer künstlichen Bauchspeicheldrüse zur Insulinabgabe bei Diabetes.

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