Wissen
21.03.2018

Bellaflora und Global 2000 wollen Gärten ohne Pestizide

Die Umweltschutzorganisation begab sich auf Einkaufstour, das Gartencenter definierte eigene Grenzwerte für Pestizide.

Österreichs Hausgärten sollen durch eine Kampagne der Handelskette Bellaflora und Global 2000 pestizidfrei und somit vermehrt zu einem Rückzugsgebiet für Schmetterlinge werden. "Sie haben im Gegensatz zu Honigbienen keine Lobby", sagte Dominik Linhard, Projektkoordinator bei der Umweltorganisation, am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Wiener Palmenhaus.

Zudem zog Isabella Hollerer, Leiterin für nachhaltige Entwicklung bei Bellaflora, eine erste Bilanz zum im März des Vorjahres ins Leben gerufenen Grenzwertkatalogs, der die Hersteller zur Pestizid-Reduktion bei den gelieferten Pflanzen animieren sollte. "Wir haben 2017 genutzt, um massiv zu testen", so Hollerer. 124 Pflanzenproben wurden im Verlauf eines Jahres untersucht. Fazit: 89 Prozent der Proben haben den Grenzwert eingehalten, den Bellaflora gesetzt hat. 35 Prozent der Proben wiesen jedoch von der Handelskette nicht mehr tolerierte und daher auf eine "Blacklist" gesetzte Wirkstoffe auf. "Das Grundproblem dabei ist, dass viele Gärtner vorbeugend Pflanzenschutzmittel spritzen", sagte Hollerer.

Ein eher positives Ergebnis erbrachte auch der aktuelle Pestizid-Einkaufstest der NGO. Zwar fiel die Gesamtbewertung der Testeinkäufe zu 30 Prozent negativ aus, aber "heuer ist es das erste Mal, dass wir ein positives Fazit ziehen können", lautete Linhards Resümee. Denn auch wenn nicht alles perfekt sei, so waren 2014 noch 90 Prozent aller Beratungsgespräche bei den Händlern negativ ausgefallen. "Bei vielen Testeinkäufen wurden zumindest die wichtigsten Informationen gegeben", hielt Linhard fest, und 20 Prozent der Testeinkäufe wurden positiv gewertet. Eher schlecht schnitten die Beratungen indes beim Anwenderschutz ab, und auch bei den Hinweisen auf Umweltrisiken fiel die Global-Wertung negativ aus. "Viele Berater waren der Meinung, dass nur noch harmlose Mittel auf dem Markt sind".

Linhard sah auch eine Gesetzeslücke in dem Umstand, dass Biozide anders als Pestizide geregelt sind, "obwohl dieselben Wirkstoffe enthalten sind", kritisierte er, dass bei Schädlingsbekämpfungsmitteln der Wirkstoff Fipronil enthalten ist, wie auch das Neonicotinoid Imidacloprid in Haus und Garten hier zum Einsatz kommen könnte.

Ginge es nach Bellaflora und Global 2000 und ihrer Kampagne zugunsten der Schmetterlinge, sollten aber sowohl Pestizide wie auch Biozide in den privaten Gärten bald Vergangenheit sein. Was die Rolle der Schmetterlinge unter anderem ausmache, sei deren Rolle als Bestäuber, die bisher nicht so berücksichtigt wurden, sagte Linhard. 4.000 Schmetterlingsarten gibt es in Österreich - überwiegend Nachtfalter. "Leider ist diese Artenvielfalt gefährdet", erläuterte Linhard, rund 50 Prozent seien davon betroffen und vor allem das Verschwinden der Lebensräume sei daran schuld. Hausgärten würden daher immer mehr an Bedeutung gewinnen, da sie bei entsprechender Gestaltung als Rückzugsgebiet dienen können. Eine gemeinsam mit Bellaflora publizierte Broschüre soll Gartenbesitzern hier als Anleitung dienen.