Nur ein kleiner Teil alkoholkranker Menschen schaffe es, die Trinkmenge dauerhaft zu stabilisieren, sagen mehrere Suchtexperten

© dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

SUCHTERKRANKUNG
03/24/2014

Alkoholkrankheit: Kann kontrolliertes Trinken tatsächlich klappen?

Als Alternative zur völligen Abstinenz für zumindest einen Teil der Betroffenen wurde diese Methode in letzter Zeit mehrfach propagiert. Doch viele Experten halten sie für überschätzt.

Die Methode war in den vergangenen Monaten immer wieder ein Thema: „Kontrolliertes Trinken“ als eine Alternative für zumindest einen Teil der Alkoholkranken. „Es zeigt sich aber, dass ihre Bedeutung vielfach überschätzt wird“, sagt Harald Frohnwieser, Betreiber der unabhängigen Internetplattform www.alk-info.com. „Viele alkoholkranke Menschen kommen in Beratungsstellen und setzen ihre Hoffnungen darauf. Aber dieser Ansatz ist nur für einen ganz kleinen Teil geeignet.“

Kontrolliertes Trinken soll Betroffen helfen, eine zu hohe Trinkmenge zu reduzieren. „Es geht nicht darum, einen Gegenentwurf zur Abstinenz zu schaffen. Es geht darum, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und sie auf ihrem Weg der Veränderung zu begleiten“, wird der deutsche Psychologe Joachim Körkel auf der Internetplattform zitiert. „Es liegen viele wissenschaftliche Erkenntnisse zum kontrollierten Trinken vor, und seit Jahrzehnten gibt es englischsprachige Programme zum Erlernen eines selbst kontrollierten Umgangs mit Alkohol.“

„Aber solche Aussagen kommen bei den Betroffenen teilweise völlig falsch an“, sagt Frohnwieser: „Die Methode funktioniert meiner Erfahrung nach nur im Anfangsstadium eines Alkoholmissbrauchs, wenn man noch nicht körperlich und psychisch abhängig ist.“

Suchtgedächtnis

„Kontrolliertes Trinken ist möglich, aber nicht wahrscheinlich“, sagt auch Univ.-Prof. Johannes Lindenmeyer, Direktor der Salus-Klinik im deutschen Lindow: „Es funktioniert bei manchen Betroffenen, allerdings bei sehr vielen weniger als die Abstinenz.“ Für Lindenmeyer wird kontrolliertes Trinken erst dann möglich sein, wenn Wege gefunden sind, das Suchtgedächtnis zu löschen.“

„Die Forschung sagt, dass das für nur drei Prozent der Menschen mit einer Diagnose Alkoholabhängigkeit ein möglicher Weg ist“, sagt Mediziner Christoph Schejda in der Forel-Klinik in der Schweiz. Kontrolliertes Trinken käme nur für Menschen infrage, die „ganz klar strukturiert sind, die sagen, dass sie das umsetzen können und sich nicht auf emotionale Dinge einlassen“. Frohnwieser: „Doch welcher Alkoholiker, der sich jahrelang vergeblich vorgenommen hat, seine Trinkmenge zu reduzieren und der es gewohnt ist, Emotionen wie Ärger oder Trauer wegzuspülen, kann das schon?“

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