Alkohol ist bei einem knappen Drittel aller Arbeitsunfälle mit im Spiel.

© dpa-Zentralbild/Jens Büttner

KURIER Gesundheits-Coach

Alkohol im Job: Wie man darauf reagieren soll

Rund fünf Prozent der Beschäftigten sind alkoholabhängig. Was der Arbeitsmediziner rät.

11/17/2015, 06:00 AM

Prim. Dr. Erich Pospischil ist Facharzt für Arbeitsmedizin; Leiter des Arbeits- und Sozialmedizinischen Zentrums Mödling, Präsident der Österr. Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA).

Wie häufig ist die Problematik von Alkohol am Arbeitsplatz?

Fünf Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter österreichischer Betriebe sind alkoholabhängig, zirka zehn Prozent sind suchtgefährdet. Bei einem knappen Drittel aller Arbeitsunfälle ist Alkohol zumindest mitbeteiligt. Darüber hinaus reichen alkoholkranke Menschen drei Mal öfter einen Krankenstand ein als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Wird das Thema nicht häufig verdrängt?

Es wird oft lange ignoriert. Und es ist in unserer Gesellschaft ja auch bis zu einem gewissen Ausmaß toleriert, wenn jemand dann und wann zu viel trinkt. Aber auch wenn der Konsum schon ganz offensichtlich zu viel ist, wird er in Betrieben lange tabuisiert. Nur irgendwann sind dann alle überfordert damit – die Mitarbeiter, die mehr und mehr die Arbeitsleistung des Alkoholkranken übernehmen müssen und auch der Betroffene selbst – und dann ist es für ein Eingreifen im Betrieb oft zu spät, es kommt zum Crash und zur Entlassung.

Das heißt, frühzeitiges Ansprechen ist wichtig?

Ja. Ganz besonders auch für den Betroffenen. Es ist ein Signal für ihn, dass sein Verhalten wahrgenommen wird, dass es bereits im Betrieb auffällt. Ignorieren ist das Schlechteste. Denn die Krankheit hört nicht von alleine auf, sondern verschlimmert sich ohne Therapie.

Welche Botschaft soll man als gleichrangiger Mitarbeiter und als Vorgesetzter vermitteln?

Ein vorwurfsvoll-belehrendes Gespräch mit Aussagen wie "Du trinkst zu viel" ist nicht hilfreich. Es muss ein positiv-unterstützender, kollegialer Ton sein, etwa "Für mich ist dein Alkoholkonsum problematisch, ich mache mir Sorgen um dich, vielleicht kann ich dir irgendwie helfen". Konkret handeln muss dann der oder die Vorgesetzte. Er sollte zunächst dazu motivieren, einen Arzt zu konsultieren – in Betrieben ab 50 Mitarbeitern stehen dafür auch die Arbeitsmediziner zur Verfügung – und bei Bedarf eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Er muss aber auch festlegen, wo die Grenzen sind: Dass also z.B. ein Abbruch der Therapie die Kündigung bedeuten könnte, sich aber der Mitarbeiter keine Sorgen machen muss, wenn innerhalb einer Therapie ein Rückfall passiert – vorausgesetzt, die Therapie wird fortgesetzt.

Ist es nicht auch ein Problem, dass eine Entzugstherapie oft über sechs Wochen stationär erfolgt?

Das ist heute in vielen Fällen nicht mehr notwendig. Es ist belegt, dass vor allem in einer frühen Krankheitsphase eine kontinuierliche ambulante Therapie ein gleich gutes Ergebnis bringt. Wichtig ist, dass die Therapie aus einer Kombination von psychotherapeutischen, gruppentherapeutischen und medikamentösen Behandlungen besteht.


Prim. Dr. Pospischil am Telefon ( 01/526 57 60): Mittwoch, 18.11., 15.00 bis 16.00 Uhr.

eMail: gesundheitscoach@kurier.at

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