Zweite Rezession? Konjunktureinbruch verschärft Krise

Am Höhepunkt der Griechen-Krise bricht das Wachstum weg. IWF-Chefin Lagarde rät zu "schnellen und kühnen Aktionen".
Zweite Rezession? Konjunktureinbruch verschärft Krise

Unglück kommt bekannterweise selten allein: Die EU-Finanzminister, Notenbankchefs und Staatsoberhäupter der Eurozone diskutieren in Permanenz einen möglichen Ausweg aus der Schulden- und insbesondere Griechenlandkrise - und nun bricht auch noch das Wirtschaftswachstum weg.

Für das laufende dritte Quartal erwartet die EU-Kommission nur noch ein Wachstum für die Eurozone von 0,2 Prozent, im vierten Quartal mickrige 0,1 Prozent. Nur aufgrund des starken Wirtschaftswachstums zu Jahresbeginn dürfte heuer ein Plus in Euroland von 1,6 Prozent herausschauen. EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn sieht daher (noch) keinen Rückfall in die Rezession.

Ganz anders die Analyse von US-Investorenlegende George Soros. Er prophezeit der Eurozone einen jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang. Soros: "Der Druck zum Defizitabbau wird die Euro-Zone in eine anhaltende Rezession stürzen." Eine große Depression könne nur dann verhindert werden, wenn sich die Politik zu radikalen Maßnahmen entschließe.

Dazu gehört für Soros ein europäischer Finanzminister, der Steuern eintreibt und Schulden aufnehmen kann. Gemeint sind die so genannten Eurobonds, also Staatsanleihen, die für die gesamte Eurozone ausgegeben werden. Diese Eurobonds werden von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel als "absolut falsch" bekämpft, aber auch andere Euroländer sind dagegen.

An einem Strang

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert einen gemeinsamen Kampf gegen die Schuldenkrise: "Es gibt einen Weg aus der aktuellen Situation, wenn sich die Regierungen zu schnellen und kühnen Aktionen durchringen." Was Lagarde mit "kühn" meint, verrät sie nicht. Nur so viel: Es gebe einen "Pfad der Erholung - es ist ein schmaler, aber wir können ihn gemeinsam bewältigen."

Diesen Pfad beschreiten EU und IWF gemeinsam, wenn es am Freitag beim Euro-Finanzministertreffen im polnischen Breslau einmal mehr um einen Ausweg aus der Griechenland-Sackgasse geht. Auch US-Finanzminister Timothy Geithner ist als Gast dabei.

Jürgen Stark, der scheidende Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, konnte sich bei einem Auftritt am Donnerstagabend in Wien einen Seitenhieb auf die USA nicht verkneifen. Die Probleme in der Peripherie der Eurozone sollten andere nicht davon abhalten, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen - so Stark mit Blick auf die hohe Staatsverschuldung der USA. Der Deutsche ist übrigens einer der vehementen Gegner von Eurobonds.

In Griechenland ist die Rezession so schwer, dass offen über einen Staatsbankrott spekuliert wird. Die Arbeitslosenrate liegt auf einem 13-Jahres-Hoch. Die letzten Notmaßnahmen Athens, der Abbau von 20.000 Staatsbediensteten und die Einführung einer Immobiliensteuer, die heuer zwei Milliarden Euro bringen soll, müssten vorerst aber ausreichen, damit der "Karren nicht an die Wand fährt", sagte der Vizegouverneur der Nationalbank, Wolfgang Duchatczek, zum KURIER.

Es gibt also Hoffnung, dass Griechenland die nächste Hilfskredit-Tranche von acht Milliarden Euro überwiesen bekommt. Andernfalls, sagt Athen selbst, ist das Land spätestens Ende Oktober pleite. Dann befürchten viele Experten einen bedrohlichen Dominoeffekt für andere Schuldensünder wie Italien und Spanien. Eine "Kernschmelze" nennt das US-Investor George Soros.

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