Eine neue Studie belegt: Arbeitsgruppen unter weiblicher Leitung erzielen bessere Prüfungsergebnisse.

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Wirtschaft
05/20/2021

Zu wenig Frauen in wirtschaftspolitische Entscheidungen involviert

EZB-Präsidentin Lagarde und IWF-Chefin Georgieva sehen immer noch zu wenig Frauen in wichtigen Entscheidungspositionen.

Mehr Diversität und mehr Geschlechtergerechtigkeit unter politischen Entscheidungsträgern bringt Forschungsergebnissen zufolge bessere Entscheidungen hervor und ist demnach auch effizienter für die Wirtschaft. Frauen daher nicht oder weniger in die wirtschafts- und finanzpolitische Entscheidungsfindung zu inkludieren, sei eine verpasste Chance, sagte OeNB-Gouverneur Robert Holzmann am Donnerstag zur Eröffnung der zweitägigen Veranstaltung "Gender, Money and Finance".

Die Online-Veranstaltung wird von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Kooperation mit SUERF - The European Money and Finance Forum und dem Joint Vienna Institute (JVI) organisiert und findet heute und morgen statt.

Wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen würden heutzutage meistens von Gruppen und nicht von Individuen getroffen, sagte Holzmann. Aktuelle Analysen kamen zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit einer qualitativ besseren Entscheidung höher ist, je größer und diverser die Gruppe der Entscheidungsträger ist, da im Vorfeld mehr unterschiedliche Sichtweisen in den Prozess der Entscheidungsfindung einfließen. Demnach wäre es ineffizient, Frauen von solchen Entscheidungen auszuschließen. Darüber hinaus gebe es keine Forschung, die sich gegen mehr Diversität ausspricht.

Frauen stärker von Corona-Krise betroffen

Dennoch sind Frauen immer noch stark unterrepräsentiert in Positionen, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden - sei es in politischen Ämtern oder an der Spitze von börsennotierten Unternehmen, sind sich Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) und Kristalina Georgieva, Managing Director des Internationalen Währungsfonds (IWF) einig. Dabei gebe es auch Forschungen, die zeigten, dass Frauen gerade in Zeiten der Krise als die besseren Führungskräfte angesehen werden, da sie mehr Vertrauen und Stabilität schaffen, ergänzte Lagarde.

Die neue IWF-Chefin Kristalina Georgieva

Frauen waren weltweit deutlich stärker von der Corona-Pandemie betroffen als Männer, so Georgieva. Das lag einerseits daran, dass sie häufiger in körpernahen Branchen wie Pflege tägig sind, aber auch daran, dass sie in der Krise häufiger eine größere Last im Bereich der Kinderbetreuung und Hausarbeit tragen. "Was mich am meisten schockiert hat, war zu sehen, wie leicht es möglich ist, sich wieder rückwärts zu bewegen", so Georgieva.

Umso wichtiger sei es, bei künftigen wirtschaftspolitischen Entscheidungen die Frauen stärker zu inkludieren und altbekannte Probleme in Angriff zu nehmen: darunter fallen die geringere Teilnahme von Frauen im Arbeitsmarkt, Gerechtigkeit bei der Hausarbeit sowie Gewalt gegen Frauen, so die IWF-Chefin. Das Ziel sei nicht, wieder zu der Zeit von vor der Krise zurückzukehren, sondern sich vorwärts zu bewegen.

Lagarde erste Frau und Nicht-Ökonomin auf EZB-Chefposten

Dazu müsse in der Fiskalpolitik darauf geachtet werden, ein Steuersystem zu implementieren, das Frauen nicht abschreckt, am Arbeitsmarkt teilzunehmen, sagte Georgieva. Darüber hinaus sei es wichtig, Staatsgelder an der richtigen Stelle auszugeben, um Frauen das Leben zu erleichtern. Bis die Krise aber überwunden sei, müssten Fiskalpolitik und Geldpolitik jedenfalls weiter intensiv zusammenarbeiten, um eine Stütze für die Konjunktur sein zu können, sagte Lagarde.

Die EZB-Präsidentin sieht Hoffnung, dass in Zukunft mehr Frauen in wichtigen Entscheidungspositionen sein werden. Während es früher nur ein einziges weibliches Mitglied im EZB-Rat gegeben habe, seien es mittlerweile mit ihr als Präsidentin und der deutschen Direktorin Isabel Schnabel immerhin zwei Frauen. Zudem befänden sich immer mehr Frauen in Vizepositionen der europäischen Notenbanken, also bereits an zweiter Stelle.

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