Wunder Aralsee: Wieder Wasser statt Wüste?

Verrostete Schiffe und Kamel-Karawanen zeugen von einer Umweltkatastrophe beispiellosen Ausmaßes. Doch mit einem Staudamm könnte das Wasser zurückkehren.

Ein gestrandeter Tanker im Nirgendwo. Kaum zu glauben, dass sich hier in dieser Ödnis einst Fische tummelten... ... wo heute Kamel-Karawanen über trockenes Land ziehen,... ... vorbei an Schiffs-Friedhöfen. Vor nicht allzu langer Zeit erstreckte sich hier der Aralsee, das einst viergrößte Binnengewässer der Erde. Der südliche Teil des "Sees" liegt auf dem Gebiet Usbekistans, der nördliche in Kasachstan. Diese Bilder sind Zeugen einer der folgenschwersten Umweltsünden überhaupt. Was war passiert? In der Sowjetzeit begannen Planwirtschaftler mit ihrem Hang zu grandiosen Projekten, die Zuflüsse des Aralsees abzuleiten und das Wasser ... .... für die Bewässerung der Steppe und der Baumwollfelder zu verwenden. Das Ergebnis ist auf diesem Satellitenbild zu sehen: Der Aralsee verlor 90 Prozent seiner Wassermenge und zerfiel in mehrere kleine Teile. Städte wie das usbekische Muynak (Bild) liegen nun nicht mehr am Wasser. Auch gut zwei Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion ist das Unheil zwar noch nicht gestoppt. Aber es gibt wieder Hoffnung... ... denn Kasachstan versucht in seinem Teil die Rettung, durchaus mit Erfolg. Ein seit 2001 mit Hilfe der Weltbank für 88 Millionen Dollar errichteter Damm zweigt kostbares Wasser aus dem Zufluss Syr-Darja ab,... ... statt es sinnlos nach Süden rinnen zu lassen, und erweckt allmählich den kasachischen Teil des Sees wieder zum Leben. Aralsk, die größte Fischerstadt, lag zwischenzeitlich schon 67 Kilometer vom Wasser entfernt, heute sind es nur noch 40 Kilometer. Das Wunder ist klein - verglichen mit dem Schaden, der vielleicht nie mehr rückgängig zu machen ist. Usbekistan hält am einträglichen Baumwollanbau fest und will zudem unter dem trockengefallenen See nach Erdöl und Gas bohren. Der Kokaral-Staudamm sieht nach nicht viel aus und ist in kaum einer Minute überquert, doch seine Wirkung ist immens. Der steigende Wasserstand hat das Klima merklich abgekühlt und die Salzkonzentration im See so weit verdünnt, dass wieder Süßwasserfische darin gedeihen. Nicht nur Fischer, auch Bauern mit ihrem Vieh dürfen wieder auf eine Lebensgrundlage hoffen. Die Menschen, die seit den 1960er Jahren vor der Ödnis, dem Salzstaub und der Arbeitslosigkeit in die Städte geflüchtet waren, haben wieder die Chance auf ein Auskommen.
(KURIER.at, APA) Erstellt am
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