Wirtschaft 16.05.2018

Wo die Teuerung in Österreich zuschlägt

© Bild: Getty Images/iStockphoto/Kamaga/iStockphoto

Fürs Wohnen und Autofahren, aber auch den täglichen Einkauf muss mehr bezahlt werden

Es sind die kleinen Dinge des Alltags: Ein Fruchtjoghurt und ein paar Äpfel aus dem Supermarkt und dann noch ein Melange im Kaffeehaus. Dass all das stetig teurer wird, ist nicht nur ein Gefühl der heimischen Konsumenten, sondern auch von der Statistik Austria belegt: Denn der so genannte Mikrowarenkorb, in dem Artikel des täglichen Einkaufs zusammengefasst sind, verteuert sich im April – wie schon seit langem – viel stärker als die gesamten Verbraucherpreise.

Um 3,8 Prozent mehr als noch vor einem Jahr mussten die Österreicher demnach für den täglichen Einkauf zahlen. Die Gesamtinflation dagegen liegt deutlich tiefer – nämlich bei 1,8 Prozent im Vormonat. Woran dies liegt, wird in unten stehenden Artikeln im Detail erläutert. Die Wohnkosten, aber auch an die Spritpreise sind jedenfalls keine Preisdämpfer. Sie stiegen im April deutlich. Auch dazu siehe unten mehr. Was den österreichischen Konsumentenschützern regelmäßig sauer aufstößt, ist dass die Verbraucherpreise in Deutschland weniger stark steigen. Auch im April lag die Inflation im Nachbarland mit 1,6 Prozent unter dem Anstieg der österreichischen Verbraucherpreise.

Zwar ist das Bild der Teuerung auch in Deutschland ähnlich wie hierzulande – Butter-, Käse-, Spritpreise und Mieten ziehen nach oben – das allgemeine Preisniveau in den Supermärkten liegt aber unter dem heimischen. Gründe werden im Mangel an Wettbewerb unter den Lebensmittelketten in Österreich und dem vergleichsweise kleinen Inlandsmarkt gesucht. Beides sorgt für höhere Preise.

Mieten

Wegen des Zuzugs in die Ballungszentren steigt dort die Nachfrage nach Wohnungen. Betroffen sind Städte wie Wien, Salzburg oder Innsbruck. Dazu kommt, dass wegen der sehr niedrigen Zinsen  professionelle Anleger in Immobilien  investieren. Die Mieten sind binnen eines Jahres in allen Kategorien um durchschnittlich 3,9 Prozent gestiegen. Da bei bestehenden Mietverträgen die Anhebung meist niedriger ist,  dürften die Mieten  bei Neuvergabe  deutlich höher angehoben worden  sein. Daran wird sich so bald nichts ändern.

 

Butter

 Auf und Ab. Eine Preissteigerung um 22 Prozent ist eine Ansage. Butter wurde  so teuer wie noch nie. Als die Milchlieferquoten in der EU abgeschafft wurden hat die Mehrproduktion zuerst für sinkende Preise bei  Milchprodukten gesorgt. Daraufhin  haben  die Milchbauern die  Milchliefermenge  reduziert. Dazu kommt eine generell steigende Nachfrage nach Milchfett. Beides zusammen ergibt die hohen Preise. Die gute Nachricht für die Konsumenten: Die Milchliefermengen steigen wieder. Es ist nur ein Frage der Zeit, bis die Preise wieder sinken. 

Treibstoffe

Autofahren.Die Zeit der billigen Treibstoffe, die mit dem tiefen Fall der Ölpreise Mitte 2014 begann, dürfte vorbei sein. Der Ölpreis ist seit Jahresbeginn um gut 50 Prozent gestiegen und zieht auch die Diesel- und Benzinpreise mit nach oben. Für die Autofahrer war das im April mit einem durchschnittlichen Preisanstieg für Diesel um 4,4 Prozent besonders stark spürbar. Superbenzin wurde um 1,7 Prozent teurer. Das dürfte aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange beim Preisauftrieb an der Tankstelle sein. Denn der Nahost-Konflikt sorgt für teures Öl.

 

Reisen

Urlaub.Im Vergleich zum April 2017 sind Städteflüge um ein knappes Drittel (32,1 Prozent) billiger geworden, belegt die Statistik Austria. Das hat laut Andrea Hansal, Sprecherin der Verkehrsbüro-Gruppe, vor allem einen Grund: „Die Billigflieger sind aktiver als vor einem Jahr. Easyjet hat ihr Streckennetz ausgebaut und auch Vueling hat ihr Angebot in Österreich aufgestockt.“ Gerade auf der Kurz- und Mittelstrecke sind Flüge billiger geworden – und damit auch Städtereisen.  Pauschalreisen waren im April 2018 um 6,5 Prozent billiger als vor einem Jahr.

 

Erdgas

Heizen.Wer mit Erdgas heizt, kam vergleichsweise günstig über den Winter. Die Preise sind seit Längerem tief und im April nochmals um 6,5 Prozent gefallen. Der Abwärtstrend bei den Gaspreisen dürfte aber nicht mehr allzu lange anhalten. Denn Gas wird im Gefolge von Öl üblicherweise teurer – allerdings mit zeitlicher Verzögerung.
Die großen Gaslieferanten wie die russische Gazprom, aber auch Norwegens Statoil, knüpfen ihre Preise an jene von Öl. Damit ist spätestens für Herbst eine Preiserhöhung zu erwarten – falls die Ölpreise hoch bleiben.

( kurier.at , iko ) Erstellt am 16.05.2018