© Kurier/Juerg Christandl

Wirtschaft
10/14/2021

„Wir haben keine Mieter, wir haben Gäste“

Was die beiden Chefs der Immofinanz Dietmar Reindl und Stefan Schönauer mit einer Milliarde Euro in Cash in Zukunft so alles vorhaben

von Andreas Anzenberger

Ein neuer Versuch ist immer möglich. Dass die Übernahme der s Immo durch die Immofinanz im Sommer gescheitert ist, bedeutet nicht, dass die Immofinanz ihre Pläne endgültig begraben hat. Auch wenn es dazu kein eindeutiges offizielles Statement gibt. Stefan Schönauer, Finanzvorstand der Immofinanz, blickt entspannt in die Zukunft: „Wir halten uns bei der s Immo alle Optionen offen und sehen aktuell keinen Handlungsbedarf.“ Immerhin besitzt die Immofinanz weiterhin über 26 Prozent der Anteile der s Immo.

Für die Aufhebung der Höchststimmrechtsschwelle der s Immo – eine Voraussetzung für das Übernahmeangebot – wären 75 Prozent der Anteile notwendig gewesen. Die Immofinanz hat aber lediglich 61 Prozent erreicht. Schönauer: „Deshalb mussten wir unser Angebot zurückziehen.“

Die Höchststimmrechtsschwelle sorgt dafür, dass maximal 15 Prozent der Anteile bei der Abstimmung zählen, unabhängig davon, wie viele Anteile ein Aktionär tatsächlich besitzt. Diese Schwelle nennt Schönauer ein „nicht mehr zeitgemäßes Instrument, das Aktionärsrechte beschneidet.“

Bessere Performance

Für die Immofinanz war der Einstieg bei der s Immo bisher ein gutes Geschäft. Der Buchwert ist gestiegen, es gab Dividenden. Nach der Corona-Krise sei nun wieder mit einer deutlich besseren Performance der s Immo zu rechnen, ist man bei der Immofinanz überzeugt. Der Trend in der Immobilienbranche zur Übernahme hat einen einfachen Grund. Die Chance, rasch zu wachsen, gibt es nur noch über Fusionen. Bei den Wohnbauplänen der Immofinanz legt der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Dietmar Reindl Wert auf die Wortwahl: „Wir steigen nicht in den Wohnbau ein, sondern in nachhaltiges leistbares Wohnen auf unseren Stop Shops.“

Stop Shops sind Fachmärkte mit einem breiten Warenangebot. Die Wohnungen werden nicht direkt auf die ebenerdigen Shops draufgesetzt, sondern hinter der Geschäftszeile auf Stelzen gebaut. Dadurch wird der laufende Betrieb in den Shops nicht gestört und der Wohnbereich beginnt nicht direkt am Parkplatz. Die Dächer der Shops werden begrünt.

Holzmodule

Gebaut wird mit Holzmodulen. Das gilt als ökologischer Baustoff und die vorgefertigten Module sollen für günstige Mieten sorgen. Reindl spricht von Ein- bis Vierzimmerwohnungen mit maximal 10 Euro Miete pro Quadratmeter und Fotovoltaik am Dach. Das ist möglich, weil die vorhandenen Grundstücke der Stop Shops nicht in die Wohnungsmieten eingerechnet werden. Auch ein Ärztezentrum oder betreutes Wohnen ist möglich.

Die Immofinanz verfügt über fast 100 Stop Shops, davon 16 in der Slowakei, jeweils 14 in Ungarn, Slowenien und Serbien und 13 in Österreich. Geplant ist der Ausbau auf 140 Standorte und der Bau von bis zu 12.000 neuen Wohnungen. Außerdem läuft ein Expansionsplan in Italien.

Die Immofinanz hat nach eigenen Angaben auf die Corona-Krise schnell reagiert. „Wir haben mit unseren großen Mietern Vereinbarungen getroffen und sie während des Lockdowns unterstützt“, erläutert Reindl die Strategie. Konkret ging es um Mietnachlässe und Verlängerung der Verträge. Die Abwertungen betrugen rund drei Prozent des Immobilienvermögens.

Das sehr gute aktuelle Ergebnis der Immofinanz habe nicht nur mit den Aufwertungen der Immobilien nach dem Lockdown zu tun, betont Schönauer. „Wir haben aus den Mieteinnahmen und dem Ergebnis aus Projektentwicklungen gute Zahlen vorgelegt.“ Im ersten Halbjahr 2021 betrug der Konzerngewinn 228,6 Millionen Euro. Derzeit stünde für Wachstumspläne eine Milliarde Cash zur Verfügung.

Vor allem beim Office-Geschäft sehen die Immofinanz-Manager noch großes Potenzial. Es geht dabei um eine neue Gestaltung der Bürowelt gemäß den veränderten Bedürfnissen. Reindl erklärt das neue Konzept: „Wir haben keine Mieter, wir haben Gäste.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.