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Wirtschaft
05/18/2019

Eine Stadt wie Graz: So viele Ziegel stellt Wienerberger jährlich her

Der Baustoffkonzern soll durch Innovationen und Zukäufe wachsen, sagt Vorstandschef Heimo Scheuch.

Wienerberger feiert heuer sein 200-jähriges Jubiläum. Das Unternehmen ist seit 150 Jahren an der Börse. Nach wie vor sind Ziegel für Wienerberger ein wichtiges Geschäft, doch um erfolgreich zu bleiben, muss der Baustoffkonzern auch  in neue Produkte und Dienstleistungen investieren.

KURIER: Wienerberger ist eines der Traditionsunternehmen schlechthin. Was machen Sie heute noch so wie früher?

Heimo Scheuch: Wir waren immer schon ein Unternehmen, das visionär gedacht und darauf geschaut hat, was unsere Kunden brauchen können.  Wir bieten Lösungen für Gebäude und Infrastruktur. Die Zukunft von Wienerberger  ist es, nachhaltig zu denken, zu wirtschaften und zu investieren.

Entscheiden sich die Leute bewusst für ein Ziegelhaus?

In der Tat. Weil der Ziegel der beste und gesündeste Baustoff ist.

Das sehen Betonproduzenten anders.

Das ist über viele Jahre erwiesen. Ziegel ist aus Ton und der hat eine natürliche Atmungsfunktion. Und das trägt zu einem gesünderen Raumklima bei.  Nur ein Beispiel: Jedes Jahr werden so viele Wienerberger-Ziegel verbaut, dass daraus eine Stadt, die so groß wie Graz ist, entstehen könnte.

Sie sind in 30 Ländern. Haben Sie dort überall Fabriken?

Natürlich, weil wir lokal produzieren und lokal vertreiben. Das ist auch für den -Fußabdruck wichtig. Wir sind ein nachhaltiger Hersteller und errichten energetisch effiziente Gebäude, die langfristig Energie einsparen.

Der wirtschaftliche Ausblick ist negativ, spüren Sie einen Abschwung?

Wienerberger hat sich vom klassischen Ziegelunternehmen in ein Baustoffunternehmen gewandelt. Wir bieten Lösungen für Sanierung, Neubau und Infrastruktur an, das ist ein großer Unterschied. Wir haben viel in Innovationen investiert, ungefähr 30 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir mit neuen Produkten. Wir haben hier ein starkes organisches Wachstum.

Auf den Handelskrieg zwischen China und den USA schauen Sie nicht angsterfüllt?

Wir sind als börsennotiertes Unternehmen solchen Entwicklungen immer wieder ausgesetzt. Im operativen Geschäft müssen wir uns aber auf die einzelnen Märkte konzentrieren. Da gibt es andere Treiber, wie den Bedarf an Wohnbau, Infrastruktur und die Frage, wie man das finanzieren kann.

Sie haben auf Ihrer Homepage eine Virtual-Reality-Brille. Was sieht man damit?

Man  kann Pläne für Gebäude herunterladen und dann durch das Gebäude spazieren, entscheiden, wo die Anschlüsse hinkommen, die Planung beschleunigen und dadurch Geld sparen.

Ich habe einen  Film gesehen, in dem ein Roboter ein Haus baut. Verändert das ihr Geschäft?

Natürlich. Wir forschen und entwickeln sehr viel. Auf der Baustelle gibt es zunehmend einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, die gilt es durch Vorfertigung und einfachere Produkte zu ersetzen.

Bei uns wird Wohnen immer teurer, weil die Gründe teuer sind. Haben Sie ein Problem damit, dass zu wenig gebaut wird?

In  Österreich hat man mit Themen wie Kosten der Bauproduktion, Arbeitskosten und dem Regulativ zu tun. Die Regeln, die in den vergangenen zehn Jahren eingeführt wurden, haben zu einer gewaltigen Verteuerung des Hausbauens geführt. Das müssen wir in den Griff bekommen.

Wienerberger ist seit 150 Jahren an der Börse. Sind die Aktionäre weltweit verstreut?

Es sind ungefähr 60 Prozent im angloamerikanischen Raum, der Rest großteils in Europa, in Frankreich, Deutschland und ein bisschen in Österreich. Hier muss man noch das Bewusstsein schaffen, dass ein Investment in eine Aktie besser ist, als das Geld liegen zu lassen.

Wird Wienerberger wachsen?

Wir wollen durch Innovationen wachsen, aber auch Unternehmen kaufen. Heuer haben wir schon zwei gekauft. Wir wollen den Kunden mehr Produkte und Lösungen anbieten. In zehn Jahren haben Sie wahrscheinlich eine Wienerberger, die viele Daten managt.