Wirtschaft
19.05.2018

„Wien soll größter Hub für Süd- und Osteuropa werden“

ÖBB-Chef Andreas Matthä kämpft für die Verlängerung der Transsibirischen Breitbahn in den Wiener Raum.

Wo soll die Verlängerung der Transsibirischen Breitspurbahn in den Raum Wien enden? Nachdem sich die Gemeinde Parndorf selbst aus dem Rennen als Verlade-Terminal genommen hat, wird über Alternativen spekuliert. Für den ÖBB-Vorstandsvorsitzenden Andreas Matthä ist das zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht: „Der Raum Wien soll sich als Logistikhub positionieren, dafür sollten wir kämpfen.“ Wo konkret die Breitbahnlinie enden werde, sei weniger entscheidend. Hauptsache sei, dass das in Österreich und nicht in der Slowakei passiere.

Das zeige das Beispiel der deutschen Stadt Duisburg, die früher in einer Krisenregion lag. In den vergangenen Jahren sei dort einer der größten Logistikhubs in Westeuropa entstanden. Der überwiegende Teil der Waren, die dort per Zug ankommen, würden auch per Zug weitertransportiert – die Nähe zum Rhein spiele für den Logistikstandort keine Rolle.

Der Raum Wien soll der größte Logistikstandort für den süd- und osteuropäischen Raum werden, meint Matthä. Es beginne immer so, dass ein Terminal gebaut werde, sich nach und nach weitere Unternehmen und schließlich Unternehmensberater, Rechtsanwälte u.ä. ansiedeln, wodurch ein hochwertiger Standort entstehe. Die Frage sei, wie weit das wirtschaftlich darstellbar sei. Für die Verlängerung wären 6,5 Milliarden Euro nötig, der Großteil der Strecke liege in der Slowakei. Baubeginn soll 2024 sein, mit der Fertigstellung wird frühestens 2033 gerechnet.

Schwieriges Geschäft

Sieht man sich die Entwicklungen im Güterverkehr bei der ÖBB an, spricht einiges für Investitionen in diesen Bereich. 2017 war der Güterverkehr erstmals der umsatzstärkste Teilkonzern, bezogen auf Menge und Distanz schoben sich die Österreicher in Europa an Polen vorbei auf Platz zwei, so Matthä.

Die Margen sind im Güterverkehr jedoch wahnsinnig niedrig, sagt Matthä. Je länger die Strecke sei, umso mehr würde sich das Geschäft rechnen – beispielsweise von der chinesischen Grenze in den europäischen Raum. Was Matthä bedrückt: „Die Straße wächst schneller als die Schiene.“ Man kämpfe nicht mit gleichen Mitteln, in Österreich gebe es auf Bahnstrom europaweit die höchsten Abgaben.

Thomas Pressberger